Review Leprous – An Evening Of Atonement

Die norwegischen Progressive-Meister von LEPROUS haben vor über einem Jahr ihr herausragendes Album „Melodies Of Atonement“ veröffentlicht. Was es hingegen schon fast eine Dekade lang nicht mehr gegeben hat, ist ein Live-Mitschnitt – zuletzt „Live At Rockefeller Music Hall“ von 2016, aufgezeichnet während der Tour zum Album „The Congregation“.

Dem haben die Norweger nun Abhilfe geschaffen: „An Evening Of Atonement“ wurde im legendären Poppodium 013 in Tilburg aufgezeichnet. Für die Band ist das nicht nur ein Ort des Prestiges, sondern auch einer der Erinnerung. Denn hier eröffnete die Formation bereits 2010 für THERION – und das 013 war zugleich Schauplatz der gerade einmal zweiten Show in der Karriere von Einar Solberg und Co. Kein Wunder also, dass LEPROUS diesen Ort für die Aufzeichnung ihres neuen Konzertmitschnitts wählten.

„An Evening Of Atonement“ startet – fast schon klassisch – mit LEPROUS in Schwarz-Weiß hinter der Bühne, kurz vor dem Auftritt. Nur einen kurzen Moment später ertönt das Intro, das in die wabernden Keyboards von „Silently Walking Alone“ übergeht. Große Anheizer braucht es an diesem Februarabend nicht: Die Band präsentiert sich in bester Spiellaune – mal wild über die Bühne springend, mal still schwelgend. Ihre Emotionen gibt sie ungefiltert ans Publikum weiter, wodurch eine intensive Synergie zwischen Musikern und Fans entsteht.

In zwei Akte aufgeteilt, umspannen LEPROUS mit 21 Titeln ihre komplette Diskografie. Das schwere „The Slave“ („The Congregation“) steht neben dem großartigen „From The Flame“ („Malina“) und dem Übersong „Like A Sunken Ship“ aus dem jüngsten Album. Doch auch zu ihren Anfängen führen die Norweger das begeisterte Publikum zurück, das sich mehr als einmal zu spontanem Applaus hinreißen lässt. Nach charmant moderierten Ausflügen in die eigene Vergangenheit finden sich mit „Passing“ vom Album „Tall Poppy Syndrome“ und „Forced Entry“ („Bilateral“) zwei echte Brocken im Set. Zwar sind diese Stücke keine leicht verdauliche Kost, doch hier beweisen LEPROUS einmal mehr, welch herausragende Instrumentalisten sie sind.

Auch die leisen, melancholischen Momente bilden LEPROUS auf „An Evening Of Atonement“ meisterhaft ab. „On Hold“ („Aphelion“) und „Distant Bells“ („Pitfalls“) setzen einen eindrucksvollen Kontrast. Und wenn die Band bei „Faceless“ eine ganze Fanschar für Chorgesänge auf die Bühne holt, spürt man neben jedem Ton auch die tiefe Verbundenheit zwischen Künstlern und Hörerschaft.

Die großen Emotionen dieses Abends werden von einem weichen, zugleich druckvollen Sound getragen und zugleich durch eine stimmungsvolle, sanfte Lichtkomposition untermalt. Songs wie „Out Of Here“ oder „The Prince“ erscheinen in kaltem Weiß- und Blaulicht, während Stücke von „Malina“ in Rot- und Orangetönen getaucht sind – eine Anspielung auf die jeweilige Cover- und Farbgestaltung der Alben sowie zur optischen Andeutung des Live-Albums selbst. Die Kameraarbeit rückt jeden Musiker perfekt ins Bild und fängt auch das begeisterte Publikum eindrucksvoll ein. Humorvolle Moderation, durchdachtes Lichtdesign, Feuersäulen und eine sorgfältig kuratierte Setlist – all das macht „An Evening Of Atonement“ zu einem Live-Dokument, dem man gerne zweieinhalb Stunden seiner Zeit widmet.

Ein Abend der Versöhnung – und des Triumphs. Ohne Buße. Ohne Reue.

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Wertung: 10 / 10

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