Mosaic - Heimatspuk Cover

Review Mosaic – Heimatspuk

Seit der Black Metal die Welt erstmals mit seiner für manche Ohren kaum noch als Musik zu erkennenden Präsenz heimsuchte, haben sich seine Wege schon so manches Mal mit jenen der Folkmusik gekreuzt. Kaum eine Band hat diese beiden auf Tradition, Mystizismus und Ursprünglichkeit bedachten Stilrichtungen jedoch derart innig miteinander verwoben wie MOSAIC. Das seinem facettenreichen Namen alle Ehre machende Soloprojekt von Martin van Valkenstijn setzt sich in seinen einzigartigen Songs vornehmlich mit lokalen Sagen auseinander, zitiert in vielen seiner Texte große Dichter*innen aus seiner Heimatregion und lässt sich musikalisch keine Scheuklappen aufsetzen. All dies trifft auch auf „Heimatspuk“ zu – und doch ist es nicht unbedingt das Album, das man nach „Secret Ambrosian Fire“ (2019) erwartet hat.

War die Vorgängerplatte noch eine höchst experimentelle Mixtur aus Black Metal, Folk und Ambient, so bewegt sich das diesmal von Valkenstijn vollkommen ohne Gastmusiker*innen kreierte „Heimatspuk“ zwar in denselben stilistischen Kreisen, allerdings auf andernorts gelegenen, mitunter eher vertrauten Pfaden. Der zuletzt auf ein paar Schlüsselmomente beschränkte Black Metal ist hier wieder vorherrschend, wenn auch in der für MOSAIC typischen, ungewöhnlichen Form. Das eisige Tremolo-Picking wie etwa im unglaublich imposanten „Nordwaldrauch“ und die ungeschliffene, dumpfe Produktion der Tracks atmen zwar lautstark den Geist der zweiten Black-Metal-Welle, vor allem mit seinem charakteristisch raunenden, ausdrucksstarken Gesang wirft Valkenstijn jedoch einmal mehr die Gepflogenheiten des Genres über den Haufen.

Dem rumpelnden Schlagzeug hört man zwar allzu deutlich an, dass es sich dabei nicht um das primäre Instrument des Einzelkünstlers handelt. Valkenstijns hölzerne Performance, die weder mit komplizierten Wendungen noch mit den üblichen Blast-Beats aufwartet, passt jedoch hervorragend zur urtümlichen, rastlosen Atmosphäre der Platte, die sich dadurch zusätzlich von herkömmlichen Black-Metal-Releases abhebt.

Das gilt umso mehr für die Stücke, in denen MOSAIC sich vollends von den Grundzügen des Genres distanziert. Die sehnsüchtig melancholische Akustiknummer „Die alte Straße“ prägt sich in dieser Hinsicht ebenso ein wie das rituelle „Hullefraansnacht“ mit seinem ahnungsvoll-beschwörenden Stimmengewirr und seinem verheißungsvollen Wesen sowie das kühle, besänftigende Ambient-Schlussstück „Tief verschneit die ganze Welt“. Die zwischendurch eingestreuten, verstaubt klingenden Samples deutscher Volkslieder hinterlassen zwar einen recht verschrobenen Eindruck, ergeben im Kontext des tief im alten Thüringer Brauchtum verwurzelten Albums aber durchaus Sinn.

„Heimatspuk“ ist ein knorriges Album, das sich seine vermeintlichen Schwächen geschickt zunutze macht. Man könnte es für sein klobiges Drumming, seinen rudimentären Sound und für sein im Vergleich zu „Old Man’s Wyntar“ (2017) und „Secret Ambrosian Fire“ weniger ausgefeiltes, bahnbrechendes Songwriting kritisieren. MOSAIC verwebt diese Charakteristika jedoch derart gekonnt auf seine unverkennbare Weise, dass sie dem Album sogar zu einem noch stimmigeren Gesamtbild gereichen. So hat MOSAIC ein Stück der zeitlosen, essenziell finsteren Stimmung eingefangen, die den Black Metal in seinen Anfangstagen zu so einer faszinierenden Musikrichtung gemacht hat und in einem modernen, glatten Klanggewand einfach nicht repliziert werden kann.

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Wertung: 8 / 10

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