Interview mit Sandra von Equilibrium

Fünf Jahre EQUILIBRIUM. Nach dem Debütalbum “Turis Fratyr” konnten die süddeutschen Wikinger nun einen Plattenvertrag bei Nuclear Blast unterschreiben. Da die Kritik an der Band in letzter Zeit zugenommen hat und unser letztes Interview mit ihnen ausserdem gute drei Jahre zurück (damals waren gerade die ersten 200 Exemplare der Demo verkauft), gab es einiges an Gesprächsbedarf. Bassistin Sandra antwortete sympathisch und ehrlich auf unsere, auch kritischen, Fragen.

Hey Sandra! Ich hoffe es läuft alles rund bei dir! Zuerst mal herzlichen Glückwunsch zu fünf Jahren Equilibrium und vielen Dank dafür, dass du dir Zeit genommen hast unsere Interviewfragen zu beantworten.
Hi Nicolai! Vielen Dank!

Wie zu lesen ist, seid ihr zur Zeit mit den Arbeiten am kommenden Album „Sagas“ beschäftigt. Wie seid ihr damit schon und wann kann man mit einer Veröffentlichung rechnen
Im Moment werden noch Songs geschrieben und teilweise auch verschiedenes aufgenommen, rauskommen wird das ganze dann im April 2007.

Was kann man als Hörer davon erwarten? Wird der „Equi-Stil“ konsequent fortgesetzt um möglichst niemanden zu vergraulen oder kann man sich schon auf einige Experimente freuen?
René schreibt grundsätzlich im Equi-Stil ;-) Es braucht also niemand Angst zu haben, dass die neue Platte nicht mehr nach Equilibrium klingt!
Wir sind aber auch Experimenten nie abgeneigt, und es wird auch wieder Ausflüge in andere Musikgenres geben, wie ja auch schon bei “Shingo Murata” zu hören. Es wird auch wieder Gastmusikerauftritte auf der neuen Platte geben, auf die man gespannt sein darf.

Habt ihr schonmal mit der Idee gespielt, die Keyboards durch richtige Instrumente wie Geigen, etc. zu ersetzen?
Im Studio lassen wir schon gerne mal echte Instrumente einspielen, aber live bevorzugen wir momentan, bis auf gelegentliche Gastauftritte, eher eine typische Besetzung.

Wie sieht das Songwriting bei euch aus? Haben alle Bandmitglieder Mitspracherecht oder macht das René weitestgehend im Alleingang?
René schreibt bei uns grundsätzlich die Musik, bei den Proben werden dann Details ausgefeilt und Ideen ausgetauscht.

Im Vergleich zu den Songs von der Demo, die auf „Turis Fratyr“ enthalten sind, sind die wirklich neuen Songs doch recht lang. Wird sich diese Entwicklung zu längeren Songs auch auf dem neuen Album fortsetzen?
Es wird auf „Sagas“ sowohl wieder Brocken wie „Tote Heldensagen“ als auch kurze Stücke wie „Met“ oder „der Sturm“ geben. Grundsätzlich ist das aber nicht geplant, sondern ergibt sich spontan.

Wie sieht es da mit der Umsetzbarkeit bei längeren Songs auf der Bühne aus. Vor allem das geniale „Tote Heldensagen“ habe ich bei euch erst einmal hören dürfen und es gefiel mir nicht besonders, da es irgendwie an der Umsetzung haperte.
Das könnte daran liegen, dass wir live dieselben Keyboardspuren verwendet haben wie auf der CD, wir sind grade dabei diese Spuren an unseren Livesound anzupassen und alles etwas zu optimieren.
Ich hoffe, dass der Sound dann allgemein differenzierter wird. Wir sind momentan ohnehin gerade dabei, uns Livelösungen für unsere Songs zu überlegen, gerade auch für das kommende Material. Einerseits sind Keyboardspuren vom Band schon ein kleiner Livefeelingstörfaktor, auf der anderen Seite wollen wir aber auch nicht auf den Bombast verzichten. Ich denke, dass wir in Zukunft eine Hybridlösung zwischen Live- und Harddisckeyboard verwenden werden.

Ihr dürftet in den letzten Monaten die Menschen an so einigen Orten mit Konzerten begeistert haben, daher stellt sich mir die Frage, ob es einen Auftritt gab, der dir besonders in Erinnerung blieb.
Jeder Auftritt hat natürlich seine eigene Besonderheit, man kommt vor und nach dem Konzert mit interessanten Menschen ins Gespräch und hat neben einem Haufen Stress und Anstrengung danach meist ne saulustige Party. Also das Earthshaker war schon ziemlich geil, und ziemlich lustig, auch als Zuschauer. Es war schon ziemlich geil, dass früh morgens schon so viele Leute da waren und auch gut abgegangen sind, das hat mich ein bisschen ans Summerbreeze erinnert, auf dem wir zu Demozeiten gespielt haben. So gewaltige Bühnen sind immer eine besondere Erfahrung, weil es auch viel schwieriger ist, mit dem Publikum in Kontakt zu treten. Und das ist auch genau das was ich dabei so schade finde, bzw. was ich an den kleineren Clubkonzerten so geil finde!

Kennst du eigentlich den Song „Heidrun“ von Thiasos Dionysos. Zugegebenermaßen ähnelt er „Met“ sehr stark. Empfindest du so etwas als Ehre, dass ihr schon als junge Band als Inspiration für erfahrene Musiker, wie André es von Thiasos Dionysos ist, dient?
Na klar, ich fands ziemlich witzig, als ich den Song zum ersten mal hörte!
Es ist schon ein geiles Gefühl, zu sehen, wie die Musik rumkommt, und sich nun auch andere Musiker davon inspirieren lassen.
Ich hab sie auch aufm Eisenwahn live gesehen, die sind ja auch noch relativ jung, bin gespannt was da noch so kommt.

Euer Frontmann Helge wird nicht nur von mir wegen seinen teils divenhaften Verhalten auf und abseits der Bühne kritisiert. Wie siehst du das? Gibt es manchmal Momente, wo man sich für ihn ein wenig schämt?
Also schämen muss man sich für den Helge nicht.
Wir machen alle gerne Party wo auch das eine oder andere alkoholische Getränk konsumiert wird ;-)
Vielleicht könnte das einiges erklären, wobei ich mich im Konkreten an keinen speziellen Ausfall von ihm erinnere.

Im Internet häufen sich die Kritiken daran, dass ihr zum einen immer wieder die gleiche Show abliefert und sich die “Turis Fratyr”, so toll sie auch sein mag, immer mehr abnutzt. Wie geht ihr mit solchen Kritiken um und wie versucht ihr sie zu beherzigen?
Es ist schon witzig, auf der einen Seite schreien die Leute, wir wären so wählerisch und würden nicht alle Gigs spielen, die wir angeboten bekommen. Und auf der anderen Seite heißt es, wir spielen zu oft. Wir versuchen schon nicht zum hundertsten mal innerhalb von einem halben Jahr im selben Kaff zu spielen, wobei wir in 99 % der Fälle absagen, weil es beruflich nicht vereinbar ist. Das ist manchmal mehr als schwierig, frei zu kriegen oder Pflichtveranstaltungen im Studium zu umgehen.
Klar ist die „Turis Fratyr“ nun schon ne Weile draussen und wir schaun auch dass wir unser Set erweitern durch Songs wie den „Saberrider“ und demnächst auch Stücke aus „Sagas“.

Kern dieser Aussagen war meistens auch, dass ihr viel zu lange auf Tour gegangen seid, anstatt euch ins Studio zu setzen und neue Songs aufzunehmen. Macht Touren einfach mehr Spaß oder gibt es da andere Gründe, warum so lange mit einem neuen Album gewartet wurde.
Auf Tour gegangen? Klingt, als wären wir vier Wochen am Stück unterwegs gewesen, hihi (wie geil!). Es waren vereinzelte Gigs oder mal ein ganzes Wochenende, aber das war nicht der Grund warum nichts voran ging. Jeder von uns hat eben noch seine Arbeit, die bei jedem an erster Stelle steht (von irgendwas muss man ja leben).
So war halt keine Zeit für ein Studiobesuch, bzw. Songwriting. René lässt sich zudem Zeit, was das Komponieren betrifft, wir respektieren das, weil wir alle seine detailreichen und perfektionistisch ausgearbeiteten Songs schätzen. Da warten wir gern drauf!

Macht es dich traurig, dass sich einige Fans, die ihr noch aus der „Demo 2003“-Zeit hattet, von euch mit zunehmenden Erfolg abgewendet haben?
Es macht mich vor allem nachdenklich, weil ich es nicht nachvollziehen kann. Wir spielen sowohl große Festivals als auch kleine Clubkonzerte, so gesehen hat sich da für den Fan nicht viel geändert. Wir haben immer noch unsren kleinen Merchshop mit erschwinglichen Preisen und beantworten jede Mail (wenn auch nicht immer sofort). Ich denk mir immer, das wichtigste ist die Musik und gut, wenn die dem Fan nimmer taugt, dann ist es ok, aber es ist doch Schwachsinn zu sagen: Equilibrium sind nun bei Nuclear Blast, deswegen sind sie, oder werden sie jetzt scheiße. Als wenn die uns in unsere Musik reinreden würden… sehr seltsame Vorstellung.

Diesen dürftet ihr mit den Wechsel zum Szenegiganten Nuclear Blast nochmal allen Grund zum „Kommerz“-Rufen gegeben haben. Doch erstmal würde es mich interessieren, wie es überhaupt dazu kam und welche Probleme es mit Black Attakk gab.
Ja, die Black Attakk-Geschichte. Sagen wirs so, BA hat ein unfaireres Spiel gespielt und uns ziemlich verarscht. Das Verfahren läuft und den Rest muss man abwarten.

Ich habe gelesen, dass der Deal mit NB ein Traum für euch sei. Hast du nach den ersten Momenten der Euphorie auch mal daran gedacht, dass es ein Alptraum werden könnte, falls „Sagas“ nicht an den Erfolg von „Turis Fratyr“ anknüpfen kann, oder glaubst du einfach, dass das auf keinen Fall so sein wird?
Wir haben über so einen Fall mit NB gesprochen und Verschiedenes dazu vertraglich geregelt, so dass es da keinen Grund zur Sorge gibt.

Welche neuen Möglichkeiten bieten sich mit dem Deal für euch?
Zunächst einmal ein weiteres Vertriebsnetz, NB hat da ein gutes Netzwerk, was Promotion und Vertrieb betrifft.
In unsrem Merchshop haben teilweise Leute aus Amerika bestellt, die dann 12 Dollar an Versand gezahlt haben. Das ist für die natürlich günstiger, wenn sie die Scheibe dann in ihrem Laden vor Ort kriegen. Für uns ist es natürlich geil, dass wir unsre Musik einem größeren Publikum präsentieren können und sich dafür neue Möglichkeiten eröffnet haben. Wir schätzen die Professionalität und den persönlichen Kontakt bei NB sehr. Wir haben alle ein gutes Gefühl, bei dem was wir machen und freuen uns auf die Zusammenarbeit.

Ihr betont immer wieder eure Fannähe, die man euch bisher mit Sicherheit nicht absprechen kann, nun ist es aber vor allem Nuclear Blast, die nur zu gerne dafür sorgen, dass nicht „jedes kleine Scheiß Magazin“ (Zitat NB in einer Mail) Interviews und Promos mit ihren Bands bekommen. Werdet ihr euch auch in Zukunft um die Kleinen kümmern und persönlich in Kontakt mit den Fans bleiben?
Na klar, mir ist das auch sehr wichtig, mit den Fans zu sprechen oder auf ihre eMails zu antworten. Ich finde es immer wieder interessant und es freut mich zu hören, wenn mir die Leute schreiben, wann sie unsre Musik hören oder was sie damit verbinden. Ich persönlich mache da keine Unterschiede, wie groß das Webzine oder Magazin ist, dem ich ein Interview gebe.

Recht sauer stößt mir auch die Preispolitik von NB auf. Glücklicherweise habe ich entdeckt, dass euer privater Shop immer noch existiert (Großes Lob hierfür! Ich finde das Klasse!). Bei Preisunterschieden von bis zu 13€ bei einem Kapuzenpulli frage ich mich schon, wer noch so dumm ist und bei NB im Shop bestellt? Werden die Preise angeglichen und würdet ihr euch einer Entscheidung des Labels beugen, falls sie euch zwingen würden ihn einzustellen?
Ja der Merchshop, hihi, freut mich dass er Dir gefällt. Ist zwar ne Menge Arbeit, aber ich mach den jetzt seit vielen Jahren und es ist schon cool zu sehen woher die Leute so bestellen und dass man Leute aus aller Welt kennen lernt. Grundsätzlich bleibt der ganze Merchkram bei uns in der Band und für die Sachen, die wir in unsrem Onlineshop verkaufen, bestimmen wir die Preise.
Ab dem Frühjahr werden wir auch wieder neue Designs haben.

So, wir kommen zum kleinen „intimeren“ Teil. Glaubst du, dass Frauen mit Instrumenten, die wie du obendrein noch gut aussehen (schleim, schleim) eine spezielle Wirkung auf Metaller haben? Ich fand es sehr lustig beim Eisenwahn zu beobachten, dass sich irgendwie viel mehr Fans von dir als von René ermutigen ließen die Pommesgabel zu zeigen.
Ja, ich seh das schon auch so. Die meisten Metaller sind nun mal Männer und freuen sich wenn sie eine Frau 60 Minuten lang „legal“ begaffen dürfen. :-) (Vor allem wo doch die prozentuelle Verteilung der Männchen und Weibchen im Metal so unausgeglichen ist!). Ich mein, dieses Phänomen ist mir ja auch bekannt von anderen Metal Bands in denen Mädels spielen oder singen. Das wirkt schon noch mal anders. Mich freuts, dass ich aber genauso als Musikerin ernst genommen werde. Früher war das noch anders, da musste ich mir schon noch den einen oder anderen Spruch anhören, was ich denn als Frau im Metal verloren habe.

Gab es eigentlich schon sowas wie Liebesbriefe von paarungswütigen Metalheads an deine Adresse?
Ja, so was gabs schon und Heiratsanträge mit Blumenstrauß, das ist natürlich echt süß! Ich schreib ihnen natürlich auch zurück, mit dem Vermerk „vielleicht im nächsten Leben“ ;-)

Bist du eigentlich immernoch mit René zusammen? Hat das auch einen Einfluss auf das Bandleben, oder trennt ihr da ganz professionell Liebe und “Beruf”
Ja wir sind noch zusammen. Es hat in gewisser Weise immer einen Einfluss wie die Beziehung zu den Mitgliedern der Band is. Klar, versucht man das zu trennen. So ist ja Andi mein Bruder und das hat auch Einfluss auf das Bandleben.

So, du bist schon fast entlassen. Es folgt das beliebte Assoziationsspiel.
Manowar: Kreischende Festivalbesucher
Edmund Stoiber: Hochschulräuber
Humppa: In Bayern die Polka!
Bayern: Bis zum Weißwurscht-Äquator ;-)
Effibrilium: running-gag
Met: Kopfweeeeh
Metal1.info: Spaß und Infos für alle

Nochmal vielen Dank und ich wünsche dir und Equilibrium, dass ihr an den Erfolg der „Turis Fratyr“ anknüpfen könnt und vielleicht sogar den ein oder anderen längst verlorenen Fan aus Demo-Zeiten zurückgewinnen zu können. Die berühmten letzten Worte gehören ganz alleine dir!
Ich habe auch zu Danken, für diese mal etwas anderen Fragen. :-)
Und an die Fans sag ich Danke für die vielen Mails und dass ihr immer so geil abgeht auf den Konzerten, ich hoffe man sieht sich Anfang nächsten Jahres auf der Releaseparty in München.
Bis bald!

Eure Sandra
Equilibrium


Geschrieben am 8. November 2006 von Nicolai Teufel

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