Interview mit Olavi Mikkonen von Amon Amarth

Pünktlich zum Release des neuen Albums „Twilight Of The Thunder God“ klingelte das Telefon in der Metal1-Redaktion und niemand geringeres als AMON AMARTH-Gitarrist Olavi Mikkonen beantwortete die Fragen rund um die neue Scheibe, die anstehende Unholy Alliance-Tour mit Slayer, Kondome und seine persönlichen Ziele.

Hy Olavi. Zuerst einmal vielen Dank, dass du dir die Zeit für dieses Interview genommen hast. Wie geht es dir und dem Rest der Band momentan?
Zur Zeit geht es uns sehr gut. Wir befinden uns gerade in den Vorbereitungen zu den anstehenden Tourneen und – ja man kann es nicht anders sagen – momentan haben wir keinen Grund zur Klage. Auch die Tatsache, dass das Album endlich auf den Markt gekommen ist, freut uns sehr.

Wo du gerade vom Touren sprichst. Gibt es eigentlich irgendein Land in dem ihr noch nicht gespielt habt und welche Location würde dich reizen?
Nun wenn ich ehrlich bin, habe ich mir darüber noch nie den Kopf zerbrochen. Ich denke bei der jetzt anstehenden Tour in Amerika, gibt es keinen Ort oder keine größere Stadt in der wir noch nicht gespielt haben. Wir werden allerdings auch in Kanada spielen, dort waren wir bisher kaum. Bei der folgenden Tour mit SLAYER haben wir auch alle Locations bereits auf unserem Tourplan gehabt. Somit gibt es zumindest in diesem Jahr nichts neues. Dafür werden wir im nächsten Jahr einige Konzerte in Südamerika spielen. Dort betreten wir Neuland und freuen uns sehr über diese Möglichkeit.

Wie schaut es mit den Fortschritten in den USA aus, nachdem eure DVD dort Gold abgeräumt hat? Herzlichen Glückwunsch nochmal dazu
Ja, vielen Dank. Ich denke wir haben uns einen guten Status in Amerika erarbeitet. Unser neues Album wird dort erst zum Ende des Monats erscheinen, somit werden die meisten Besucher wohl erst die neuen Songs während der Konzerte kennen lernen. Man sieht allerdings viele Leute mit unseren T-Shirts usw. und wir sind uns sicher, dass es eine gute Tour für uns wird. Allerdings kann man unseren Status dort nicht mit dem in Europa vergleichen. Hier zu lande sind wir schon einige Schritte weiter, denn auch wenn die DVD dort Gold Status hat, ändert sich alles eher langsamer aber das ist in Ordnung so.

Viele Menschen werfen euch vor auf jedem erdenklichen Festival zu spielen und das Amon Amarth somit eine Überpräsenz an den Tag legen. Dennoch könnt ihr euch über schwindendes Publikum sicherlich nicht beklagen. Wie siehst du das ganze?
Aaaah (lacht) Nein, ich bin nicht der Meinung, dass wir bei jedem Festival mit von der Partie sind. In diesem Jahr haben wir in Deutschland sogar nur ein Festival gespielt. Hinzu kam noch das Metal Camp, bei welchem wir kurzfristig für CELTIC FROST eingesprungen sind, da sie sich aufgelöst hatten. Alle anderen Festivals waren keine klassischen in diesem Sinne. Somit kann ich nicht behaupten, dass wir zu viele Konzerte spielen. Vielleicht irgendwann einmal aber zur Zeit nicht. Es wird allerdings immer Menschen geben die sagen „Hey ihr spielt an jeder Straßenecke“ oder „Euch sieht man ja kaum noch“.

Viele Bands machen mit einer Veröffentlichung eines Best of Albums auf sich aufmerksam. Ist ähnliches bei euch geplant?
Nein – ich sehe in solchen Sachen meist auch wenig Sinn. Wir haben schon auf der „Wrath of the Norsemen“-DVD soviel Bonus und Best of Material, dass ich Zukunft mit keiner Veröffentlichung unsererseits zu rechnen sein wird.

Euer Bandname entstammt ja bekanntlich Tolkiens Werk „Herr der Ringe“. Ist es geplant, das ganze irgendwann mal in euren Texten zu verarbeiten?
Wahrscheinlich nicht. Ich kann mir nicht ernsthaft vorstellen, dass wir irgendwann das Thema „Herr der Ringe“ behandeln werden. Natürlich kann man sich hier und da Inspirationen holen, aber wenn man es mit den Texten, mit welchen wir unsere Erfolge feiern, vergleicht, glaube ich nicht daran, dass wir den Herrn der Ringe textlich behandeln werden.

Gerade in den USA habt ihr eine ganze Menge an Bands supportet, bzw. erhaltet diesen hierzulande von anderen Bands. Hast du selber einen Wunsch mit welcher Band du gerne einmal Touren würdest?
Generell muss ich sagen, dass ich mit jeder Band sofort wieder touren würde. Es gibt da keine mit der wir jemals schlechte Erfahrungen gemacht hätten. Wir hatten stets gute Support-Acts und immer viel Spaß. Ich weiß nicht ob es daran liegt, dass wir umgängliche Typen sind oder man einfach freundlich uns gegenüber sein wollte. Probleme gab es da wirklich nie. Gerne würde ich mal wieder etwas mit den Children Of Bodom oder Dimmu Borgi auf die Beine stellen.

Mal angenommen, du hättest die Möglichkeit als Gitarrist zusammen mit deinen größten musikalischen Vorbildern zu spielen – wie würde diese Band aussehen?
Ähmmm (überlegt) – ich denke das wären die alten Slayer und ich.

Eine Frage aus redaktionellem Interesse: Warum gibt es von Amon Amarth – wie mittlerweile von vielen bekannten Bands – kein Merchandise für Kinder? Ein Redakteurssohn findet euch nämlich ganz schön cool. ;-)
Nun, so wie wir es sehen gibt es keine Probleme da was auf die Beine zu stellen, also warum nicht. Schließlich brauchen auch kleine Kinder schöne Kleidung.

Würdest du sagen, dass du mit Amon Amarth das Ziel erreicht hast, welches du vor vielen Jahren als junger Musiker gehabt hast?
Ja, definitiv. Sogar weit darüber hinaus. Zu unserer Anfangszeit waren wir froh, überhaupt einen Auftritt oder eine Chance zum spielen zu kommen. Wenn dann noch ein Plattenvertrag hinzu kommt, haut es dich fast aus den Socken; wenn dir klar wird, dass du eine Scheibe aufnehmen kannst. Somit habe ich keinerlei Träume oder Ziele mehr. Ich bin sehr glücklich mit dem was wir in all den Jahren erreicht haben und wünsche mir, dass die Dinge so bleiben wie sie sind.

Mir fällt auf, es stampft häufiger bei Amon Amarth. „Guardians Of Asgaard“ hat hervorragendes Marschtempo, die Waräger stampfen ebenso in Reih und Glied, der Text passt dazu. Geht der Trend zu Marschmusik? Wer hat Armee-Erfahrungen bei euch?
Wir waren selbstverständlich alle bei der Armee. In Schweden kommt man da nicht drum herum, es sei denn man hat eine verdammt gute Ausrede. Aber nein, diesen Trend sehe ich nicht. Weißt du: es ist ein einziger Song, aber wir werden das Thema nicht vertiefen und beim nächsten Album 10 Stücke in diese Richtung schreiben. Es war eine gute und passende Sache für dieses Stück. Allerdings werden wir auch in Zukunft versuchen uns nicht auf ein Ding zu versteifen.

Respekt für das großartige Video. Es waren wieder die Jomswikinger, richtig? Hat sich eine Freundschaft zwischen Band und den Reenactors entwickelt?
Das waren sie, in der Tat. Selbstverständlich hat sich zwischen uns in all den Jahren eine Freundschaft entwickelt. Wir haben ja bereits des öfteren zusammen gearbeitet,zum Beispiel für die DVD und auch für das kommende Jahr sind einige Aktionen geplant. Bei unserem letzten Video „Cry of the Blackbirds“ waren andere Akteure beteiligt, was zu manchen Problemen geführt hat. Die Jomswikinger sind da schon ein anderes Kaliber. Es ist nicht unser Job ihnen zu sagen, wie sie die Szenen im Video am besten darstellen könnten. Die Jungs sind da sehr professionell und wir freuen uns auf die weiteren gemeinsamen Auftritte

Einige Bands veröffentlichen in letzter Zeit Dinge wie Energy Drinks oder Kondome unter ihrem Trademark. Auch ihr seid da nicht untätig: Amon Amarth Comics, Plastikfiguren usw. Steht ihr selbst zu 100% hinter diesen Dingen oder wer hatte die Idee(n) dazu?
Alles, was den Namen AMON AMARTH trägt, wurde von uns erprobt und für gut befunden, davon kannst du zu 100% ausgehen. Das Set mit den Figuren war allerdings die Idee des Managements. Wir sind der Meinung, dass es eine coole Sache ist, die den Leuten Freude bringen soll. Lustige Skulpturen halt. Ich habe keine Ahnung, ob wir auch irgendwann mal Kondome verkaufen werden, aber wie gesagt: wo AMON AMARTH drauf steht ist auch AMON AMARTH drin. Ausgenommen man erwirbt eines der wenigen Bootlegs.

Sogenannte Bandklassiker habt ihr en masse. Gibt es einen Song den du persönlich am liebsten spielst, sei es aufgrund seiner Struktur oder aufgrund der Publikumsreaktionen?
„Death in Fire“ und „Pursuit of Vikings“ bereiten Live natürlich großen Spaß. Es ist einfach toll zu sehen, wie alle ausrasten. Mein persönlicher Favorit ist wohl .. laß mich nachdenken ( überlegt lange)… „The Sound of Eight Hooves“. Ich kann es schwer in Englisch ausdrücken aber „You can Bang your Head the whole fucking Song“. (O-Ton). Ich denke das ist es, was den Song für mich so besonders macht.

Ihr habt früher alle mal was gelernt – seit wann übt ihr eure ursprünglichen Berufe nicht mehr aus?
Ich denke das muss irgendwann nach der „Fate of Norns“ gewesen sein. Zwischen der „Fate of Norns“ und „With Oden on our Side“, also schon seit einigen Jahren. Ich muss allerdings dazu sagen, dass es toll ist dieses Privileg zu genießen. Es macht einen riesigen Unterschied, ob man morgens aufsteht und voller Energie einen Song schreiben kann, oder das nach 8 Stunden Arbeit in die Hand nehmen muss. Ich denke das ist einer der Gründe, warum die letzten beiden Alben qualitativ so hochwertig geworden sind.

Nach eurer Amerika-Tour steht euch ein Programm mit Slayer bevor. Was erwartet ihr euch davon?
Nun, ich weiß es ehrlich gesagt nicht. Wir haben vorher noch nie mit Slayer gespielt und auch die Hallen sind um einiges größer als die, in denen wir normalerweise auftreten. Aber ich denke trotzdem, das es wird eine gute Sache werden wird. Wir werden natürlich wie immer unser Bestes geben und hoffen, dass die Slayer-Fans uns ebenfalls einen Teil ihrer Aufmerksamkeit schenken.

Somit sind wir auch schon am Ende dieses Interviews. Vielen Dank nochmals und vielleicht hast du noch einige abschließende Worte für eure deutschen Fans.
Ja, natürlich – besucht uns auf der Unholy Alliance-Tour! Danke!