Interview mit Perversifier von Merrimack

Mit ihrem neuen Album „Omegaphilia” legten die Franzosen MERRIMACK unlängst ein Paradebeispiel eines melodischen Black-Metal-Albums vor. Gitarrist Perversifier erklärt, was es mit dem makaberen Artwork und dem kryptischen Albumnamen auf sich hat, und wie es zur Zusammenarbeit mit Frater Stephane und Aldrahn kam.

Euer neues Album ist seit kurzem draußen. Seid ihr mit dem Feedback zufrieden?
Die Reaktionen auf das Album könnten nicht besser sein. Die Journalisten sind sich in allen Reviews, die wir bisher gesehen haben – was wohl so um die 50 waren – einig. Der Durchschnitt liegt bei acht von zehn Punkten. Das ist wirklich beeindruckend. Ich glaube, keines unserer bisherigen Alben ist so gut angekommen.

Was bedeutet der Albumtitel „Omegaphilia” und was war die Idee dahinter?
„Omega“ kann als das Ende verstanden werden, als das Gegenteil zum Alpha, das den Anfang aller Dinge beschreibt. Das Suffix „philia“ bedeutet „die Liebe zu“. Die Übersetzung könnte also „Die Liebe zum Ende“ lauten. Das spricht für sich selbst. So gesehen ist der Titel dem unseres letzten Albums, „Of Entropy And Life Denial“, sehr ähnlich.

Das Cover-Motiv schaut sehr makaber aus – eine ans Kreuz geschlagene Gebärmutter. Wessen Idee war das, was wollt ihr mit dem Bild sagen?

Das Album ist komplementär zum Albumtitel zu sehen: Auf der einen Seite die Liebe zum Ende, auf der anderen der Hass auf den Anfang. Der Uterus ist das menschliche Organ der Geburt, es ist der Ort des Anbeginns allen Lebens.

Gibt es auch einen direkten Bezug zwischen dem Artwork und den Texten, aber auch zur Musik?
Ja, Artwork, Texte und Albumtitel stehen in direktem Bezug zueinander. Was die Musik angeht, ist es da weniger offensichtlich. Viele Leute denken wegen des Artworks vermutlich, dass „Omegaphilia” ein Death-Metal-Album ist. Es sieht einfach nicht nach einem typischen Black-Metal-Artwork aus. Es ist sehr farbig, und dieser Fokus auf Anatomie ist ja auch eher ein Death-Metal-Ding. Aber es ist natürlich die Kreuzigung abgebildet, was einen Hinweis auf den Inhalt darstellt. Ich würde sagen, die Bedeutung des Bildes steht in direkter Verbindung zur Musik, aber die technische Ausführung könnte ein paar Leute verwirren.

Worum geht es in den Texten?
Im Gegensatz zu unserem Album „The Acausal Mass“ hat „Omegaphilia“  diesmal kein Konzept. Jeder Song handelt von einem anderen Thema, und ich möchte jeden dazu auffordern, sie zu lesen. Ein Album besteht nicht nur aus Musik – diese geht Hand in Hand mit den Texten! Unsere Lyrics hat alle Vestal geschrieben, sie basieren auf Erlebnissen, Beobachtungen, Gedanken, Ängsten und Überzeugungen.

Musikalisch werdet ihr oft mit Watain verglichen. Würdest du Watain als Einfluss nennen?
Nein, wirklich nicht. Keiner von uns hört heute noch Watain. Persönlich mag ich ihr Debüt, „Rabid Death’s Curse” , aber ich kenne mich mit allem, was sie danach gemacht haben, nicht aus. Zwischen 2006 und 2009 wurden wir oft mit Watain verglichen, aber dieser Vergleich ist mit den letzten zwei Alben seltener geworden. Ich sehe auch nicht viele Ähnlichkeiten zwischen den Bands. Ich tippe darauf, dass dieser Vergleich von Leuten gezogen wird, die uns als „orthodox“ abstempeln. Die einzige Gemeinsamkeit, die ich sehen kann, ist, dass beide Bands sehr „traditionellen“ Black Metal spielen – die alte Schule, ohne avantgardistische oder experimentelle Elemente. Beide Bands gehören zu den Wächtern des Black-Metal-Tempel.

Welche Bands haben dich als Musiker dann inspiriert? 
Es ist unmöglich, hier irgendwelche konkreten Bands zu nennen. Ich bin 40 Jahre alt – ich habe in meinem Leben so viele Alben gehört, und unzählige davon haben mich irgendwie beeinflusst, nehme ich an. Ich höre auch sehr unterschiedliches Zeug, abseits vom Black Metal. Und da spreche ich jetzt nur von mir. Alle fünf Musiker bei MERRIMACK haben unterschiedliche Einflüsse – was du auf unseren CDs hörst, ist vermutlich das Resultat aus diesem Schmelztigel.

Auf dem Album wirken ein paar prominente Gäste mit – Aldrahn (ex-Dødheimsgard) und Frater Stephane There (N.K.R.T.). Wie kam es dazu?
Wir laden auf unseren Alben gerne Leute ein, die wir als Künstler schätzen. Auf unserem letzten Album hatten wir Mortuus [Marduk, A. d. Red.] gebeten, ein paar Vocals einzusingen, diesmal fanden wir Aldrahn passend. Wir haben ein paar gemeinsame Freunde, und A.K. hat ihn mal in Paris getroffen. Aldrahn hat ihm damals erzählt, dass er MERRIMACK gerne mag und dass er die meisten unserer Alben besitzt – da hat A.K. die Gelegenheit genutzt, ihm anzubieten, an „Omegaphilian“ mitzuwirken.

Der Gastbeitrag von Frater Stephane ist das Resultat einer bandinternen Diskussion: Ein paar von uns wollten ein eigenständiges Intro, wohingegen ich Intros immer langweilig finde – da schalte ich immer weiter. Wir haben uns dann auf den Kompromiss geeinigt, ein kurzes Intro als Teil des ersten Songs auf das Album zu nehmen. Nachdem wir die Arbeiten von N.K.R.T. kennen, kamen wir überein, dass er perfekt wäre, um das zu erschaffen. Wir haben ihm diesen Job also angeboten, und er hat angenommen. Wir haben ihm dann die Pre-Production von „Cauterizing Cosmos” geschickt und ihm eine Wild Card ausgestellt – er konnte also vorschlagen, was immer ihm passend erschien. Wir mochten es dann auf Anhieb.

Er hat da eine Art Ritual zelebriert. Was können wir hier genau hören?
Er hat dafür ein paar Knochen benutzt – das sind diese Geräusche, die du hören kannst. Und dazu eben seine Stimme.

Was hältst du vom aktuellen Hype um diesen rituellen Black Metal im Allgemeinen?
Ich höre solche Musik nicht. Ich meine, ich würde mir kein ganzes Album anhören, das so klingt. Das würde mich zu Tode langweilen. Aber für ein kurzes Intro passt es sehr gut. Ich weiß nicht, ob es um diesen Noise und Ambient auch einen Hype gibt, das interessiert mich einfach nicht.

Plant ihr eine Tour, um „Omegaphilia” auch auf deutsche Bühnen zu bringen?
Wir hoffen auf eine Tour irgendwann im nächsten Jahr, mal sehen, ob sich eine gute Gelegenheit bietet. Aber wenn sie stattfindet, bin ich mir sicher, dass die Tour auch nach Deutschland kommt!

Danke für deine Zeit und Antworten. Zum Abschluss ein kurzes Brainstorming:
Mayhem: Haben mit „De Mysteriis Dom Sathanas” das beste Album der gesamten Black-Metal-Geschichte geschrieben.
Emmanuel Macron: Politik hat in einem Musikinterview nichts verloren. Wen interessiert das?
Deutschland: Guter Thrash Metal.
Black Metal: „Nothing remains of these years of devotion, black metal ruined everything, Satan gives no rest, for He spawns the inner enemy” (Zitat aus dem Text zu „The Falsified Son”)
Dein Lieblingsalbum 2017 bisher: „Sacraments To The Sons Of The Abyss” von Ritualization.
MERRIMACK in zehn Jahren: Spielen immer noch kompromisslosen Black Metal

Vielen Dank für das Interview. Die letzten Worte gehören dir:
AMSG