Konzertbericht: Amy MacDonald

2010-11-13 München, Zenith

„What makes you different from anyone in here?” fragen große Buchstaben auf der Leinwand die gespannt wartende Menge. Umrandet von roten Lichtern und flackernden, surrealen Bildern lenken diese die Aufmerksamkeit von Tausenden Zuschauern im nicht ganz ausverkauften Münchner Zenith auf die Bühne, die schon gleich von AMY MACDONALD eingenommen wird. „Different“ macht die 23-jährige Schottin ihre tiefe, raue und kräftige Stimme und auch die Tatsache, dass sie mit ihrem Folk-Pop/-Rock neben den Metal1-Redakteuren Marius Mutz und Stefan Popp auch noch weitere Besucher angezogen hat, deren Ohren sonst eigentlich im Metal zuhause sind.

„What makes you different from anyone in here?” sind auch die ersten Worte, die AMY an das süddeutsche Publikum richtet, direkt zu Beginn mit “An Ordinary Life” hat sie die Menge völlig im Griff. Lauten Jubel und Klatschen bis weit nach hinten in der langen Halle gibt es von Anfang an und das sollte auch den Rest des Konzertes nicht abreißen. Nach „Poison Prince“ begrüßt sie uns erst mal und zeigt mit „Dankeschön“, „Guten Abend, wie geht’s?“ und „Ich habe eine Kater“ ihre Deutschkenntnisse, womit sie uns bereits ihren gesamten deutschen Wortschatz präsentiert hat. Das macht aber gar nichts, im Prinzip ist es ja egal was sie erzählt, denn mal im Ernst, bei der Stimme und dem heißen Akzent würd ich mir auch eine zweistündige Lesung von ihr anhören, auch wenn ich nur die Hälfte davon verstehe. Aber genug davon, denn wie AMY selbst in der Ankündigung ihrer musikbusinesskritischen aktuellen Deutschland-Single „This Pretty Face“ sagt: „It should be all about the music“.

Und die Musik ist in ihrer Liveversion wesentlich erdiger und direkter als von CD. Viel dazu bei trägt AMYs kraftvolle Livestimme, die sehr rockig ist und Liedern wie „Mr. Rock & Roll“, „Spark“ oder „Next Big Thing“ einen richtigen Rock-Charakter verleiht. Aber ob nun ruhige und melancholische Titel wie „Footballer’s Wife“ oder allseits bekannte Songs („This Is The Life“, „Don’t Tell Me That It’s Over“ usw.), die Mischung hat gestimmt und alles wurde sehr stark und einfach auch besser als von Konserve präsentiert. Etwas schade war, dass ab und an kleine Melodiestücke oder Gesangslinien weggelassen wurden, so entstand beim ein oder anderen Lied ein leichter Light-Eindruck. Hätte man sicher auch anders lösen können, aber das soll auch mein einziger Kritikpunkt an der Darbietung sein. Im Vergleich zu den typischen Metalkonzerten war natürlich auch weniger Bewegung auf der Bühne, aber wie sollte es auch anders sein: AMY musste schließlich Gitarre spielen und singen, von daher konnte sie sich ja schlecht vom Mikrofon entfernen und rumturnen. Das passte schon so, schließlich hat sich der Blick auf die Bühne trotzdem ständig gelohnt.
Viel bejubelt wurden das Bruce Springsteen-Cover „Born To Run“ und „Let’s Start A Band“ als Zugaben, leider konnte AMYs Band auch durch lautstarke Forderungen nicht mehr dazu überredet werden, noch weiterzuspielen. So war das Konzert nach handgestoppten und recht kurzen 88 Minuten leider schon zu Ende, über ein abschließendes „Barrowland Ballroom“ hätte ich mich noch sehr gefreut.

Erfreulicherweise war auch der Sound sehr gut, das Zenith ist laut mehreren Zeugenaussagen ja eher für zu lauten Klang bekannt, der in der großen Halle übersteuert und mies klingt, an diesem Abend aber gab es absolut nichts zu kritisieren. Schlagzeug, Gitarren, Bass und Keyboards waren recht differenziert abgemischt und bildeten einen homogenen Gesamtsound, AMYs Stimme stand dabei natürlich im Vordergrund. Dass die kleine Schottin ganz alleine im Mittelpunkt stand, zeigte auch die tolle Lichtshow. Oft war nur sie hell ausgeleuchtet und ihre Band in rotes Licht getaucht, auf der Leinwand war – wie sollte es anders sein – meist AMY in Großaufnahme zu sehen, wenn denn gerade Livebilder von der Bühne gezeigt wurden. Die optische Präsentation jedenfalls war insgesamt überragend, von wilden Kamerafahrten durch die Straßen großer Städte über verwirrende farbenfrohe Drogentrips bis hin zu einfach tollen Lichteffekten, sehr gelungen. Gab viel fürs Auge, wenn der Blick auf die sehr schmucke AMY und ihr silbern glitzerndes Minikleid durch Riesen im Publikum versperrt war. Statt wie andere Frauen auf der Bühne wechselt sie übrigens nicht ihre Kleider, sondern ständig ihre Gitarren, sehr erfrischend. Das Publikum war übrigens auch bestens aufgelegt und ließ sich von AMY gut mitreissen, in München herrschte anscheinend reichlich Partystimmung am Samstagabend. Buhrufe gab es nur, als AMY gesagt hat, sie habe vor dem Konzert ein Bayern München-Trikot geschenkt bekommen – anscheinend steht das Zenith im 1860-Viertel der Landeshauptstadt.

War ein tolles Konzert, auch wenn der Eintrittspreis von knapp 40 Euro vor allem in Anbetracht der kurzen Spielzeit doch recht happig ist, hat er sich für mich vollends gelohnt. Eine Vorband gab es mit FLYLEAF DANGER übrigens auch noch, da haben wir allerdings nicht viel von mitgekriegt und was wir gehört haben, war auch mächtig langweilig. Ich will nicht abschließend urteilen, aber ich glaube, da haben wir nichts verpasst.

Setlist:
An Ordinary Life
Poison Prince
L.A.
Youth Of Today
Love Love
Mr. Rock and Roll
Footballer’s Wife
Spark
This Pretty Face
Don’t Tell Me That It’s Over
Troubled Soul
Give It All Up

Next Big Thing
No Roots
Run
This Is The Life
What Happiness Means To Me
———-
Born To Run
Let’s Start A Band

Geschrieben am 13. November 2010 von Metal1.info

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