CD-Review: Amon Amarth - Twilight Of The Thunder God

September 2008

Besetzung

Johan Hegg - Gesang
Olli Mikkonen - Gitarre
Johan Söderberg - Gitarre
Ted Lundström - Bass
Frederik Andersson - Schlagzeug

Gastmusiker:

Roope Latvalla (Children Of Bodom) - Gitarre

Tracklist

01. Twilight Of The Thunder God
02. Free Will Sacrifice
03. Guardians Of Asgaard
04. Where Is Your God?
05. Varyags Of Miklagaard
06. Tattered Banners And Bloody Flags
07. No Fear For The Setting Sun
08. The Hero
09. Live For The Kill
10. Embrace Of The Endless Ocean


1000 A.D. In schwimmenden Nußschalen begeben sich bis an die Zähne bewaffnete Wikinger auf große Fahrt und entdecken dabei Amerika. Weitere 1000 und ein paar unbedeutende Jahre später stechen sie erneut in See um Tod und Verderben über die Menschheit zu bringen. Jedoch geben sich echte Wikinger wie AMON AMARTH nicht mit einem lächerlichen Kontinent zufrieden. Mit ihrem neuen Album „Twilight of the Thunder God“ im Gepäck schickt man sich an gleich die ganze Welt zu unterwerfen. Die Schweden um Frontmann Johan Hegg, können getrost als Phänomen in der Metal Szene durchgehen, denn wie vielen Bands gelingt es über viele Jahre hinweg ohne große Innovationen immer größere Erfolge zu feiern? Somit sollte es schon vor dem ersten Stück dieser Scheibe klar sein: AMON AMARTH werden sich auch in diesem Fall treu bleiben. Die einzige Frage ist, ob man zum überraschend starken Vorgänger „With Oden On Our Side“ aufschließen können wird.

Die Band hat einen großen Teil dieser Frage bereits mit der Vorabveröffentlichung des Titelstücks „Twilight of the Thunder God“ beantwortet. Packender kann man einen Einstieg nur schwerlich gestalten. Nach dem obgligatorischen Urschrei bliebt live noch genügend Zeit um synchron die Matte kreisen zu lassen, um im Anschluß wieder dem treibenden Spiel zu verfallen. Ein Highspeed Kracher erster Kajüte, um beim Seemanns-Jargon zu bleiben, mit einer ohrwurmverdächtigen Melodie im Refrain. Roope Latvala von den Children Of Bodom trägt dann auch noch seinen Teil in Form eines Solos bei, welches zwar gut zum Song passt aber qualitativ auch ohne weiteres von der Band selbst stammen könnte. Wer den Bandklassiker „Pursuit Of Vikings“ kennt wird „Guardians Of Asgaard“ ebenso schnell verfallen. Es ist wirklich fazinierend, welcher Aufwand von manch anderer Band betrieben wird, nur damit AMON AMARTH im Gegenzug mit solch einfachen Mitteln wie in diesem Fall einen weiteren Gassenhauer produzieren. Ein kurzes eingängiges Riff dominiert hier gepaart mit einem stimmgewaltigen Frontmann.

Ein weiterer Höhepunkt erklingt mit „Tattered Banners And Bloody Flags“. Alles durchdringendes Staccato-Riffing dominiert hier von Beginn an. Hinzu kommt ein stampfender Rythmus und die Erkenntnis, dass sich die Erde unter unseren Füßen dreht. Eine Hymne, die ihresgleichen sucht und neben den beiden erwähnten Songs absoluter Anspieltipp. Doch auch der Rest des Albums braucht sich keineswegs zu verstecken. So erreichte das Hegg´sche Stimmorgan bei „Where Is Your God?“ eine bis dato ungeahnte Schnelligkeit, dass es einfach eine Freude ist, dem zuzuhören. Ungewohnte Töne schlägt man zudem bei „Live For The Kill“ an, bei welchem Apocalyptica ihre Kollegen mit einer wunderbaren Instrumental-Passage unterstützen. Auch beim Outro „Embrace Of The Endless Ocean“ darf man sich von Melodien verzaubern lassen viel mehr noch, selbst der größte Wikinger darf zum Ende hin eine Gänsehaut bekommen. Ja, man muss und man möchte es auch gerne zugeben: Keinen der zehn Titel könnte man als Flop oder lästigen Lückenfüller bezeichnen. Jedes, wirklich jedes Stück bietet ein Highlight und setzt sich leicht im Ohr fest.

Hier liegt auch die einzige – wenn man sie denn als solche bezeichen will – Schwäche in diesem Album. Bei mancher Gelegenheit hat man recht zügig das Gefühl, den Song schonmal anderweitig gehört zu haben. Dass solche Dinge bei einer Band, die seit Jahren ihren eigenen Stil prägt, nicht ausbleiben, sollte allerdings auch nicht allzu stark ins Gewicht fallen. Auch wenn es die wenigsten erwartet haben, aber AMON AMARTH können mit „Twilight Of The Thunder God“ problemlos an alte Erfolge anknüpfen und diese im Vergleich zum ohnehin schon starken Vorgänger noch ein wenig übertrumpfen. Ein Fazit ist somit eigentlich unnötig: Die Könige des melodischen Death Metals ohne Keyboard oder ähnliches Gerümpel zeigen erneut, wo Thors Hammer hängt. Somit sei den wenigen, die noch Bedenken haben, zum Kauf geraten, denn zu toppen wird dieses Meisterwerk in diesem Jahr nur schwerlich sein.

Bewertung: 9 / 10

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