Review An Autumn For Crippled Children – The Light Of September

Nachdem AN AUTUMN FOR CRIPPLED CHILDREN auf ihrem Debüt „Lost“ noch verhältnismäßig typischen Depressive-/Post-Black-Metal gespielt hatten, ist es den Niederländern nach und nach gelungen, sich ihre eigene, kleine Nische zu schaffen. Weder so richtig im Black Metal noch ganz im Shoegaze, aber hörbar in beiden Gewässern fischend, hat das Trio einen markanten Stil entwickelt, von dem es seither nur geringfügig abweicht. Auch auf ihrem mittlerweile siebten Album ändern AN AUTUMN FOR CRIPPLED CHILDREN nichts an ihrer Grundformel, sondern widmen sich allenfalls der Feinabstimmung. Vollziehen die Blackgazer darauf also einfach nur „the same procedure as every year“?

Obwohl sich AN AUTUMN FOR CRIPPLED CHILDREN hier nicht allzu weit aus ihrem gewohnten Terrain herausbewegen, wäre es doch nicht zutreffend, „The Light Of September“ als bloße Selbstkopie abzutun. Schon auf dem eröffnenden Titelstück zeigt sich nämlich doch eine gewisse Entwicklung, die sich bereits auf dem Vorgängeralbum „Eternal“ angekündigt hat. Frei nach dem Beispiel von „I Will Never Let You Die“ stellen AN AUTUMN FOR CRIPPLED CHILDREN auf „The Light Of September“ die Keyboards verstärkt in den Vordergrund.

Anfangs geht die Rechnung sogar noch problemlos auf: Die typischen Charakteristika der Band – kratzige, relativ leise abgemischte Screams, dynamische Tremolo-Riffs und simple, peppige und bewusst dünn produzierte Drums – erstrahlen durch die luftig-leichten, elektronischen Keyboardflächen in einem neuen Glanz. Auch mit den ätherischen Clean-Gitarren („Lovelorn“) und dem sanften Piano harmonieren die abwechslungsreichen, synthetischen Tastentöne in wunderbarer Weise, was zudem das oftmals nostalgische Naturell der Lieder zusätzlich hervorhebt.

Obwohl sich AN AUTUMN FOR CRIPPLED CHILDREN durch diese dezente Neuerung einige vielversprechende Möglichkeiten eröffnet haben, die durch den stellenweisen Verzicht auf die rauschenden Gitarrenläufe sogar noch besser zur Geltung kommen, ist die Umsetzung allerdings leider nicht ganz geglückt. Im Gegensatz zu „Eternal“, auf dem ein emotionales Feuerwerk das nächste jagte, erscheint „The Light Of September“ bis auf wenige Ausnahmen eher fahl. Die Melodien und Rhythmen wollen einfach nicht recht zünden und vereinzelt leisten sich AN AUTUMN FOR CRIPPLED CHILDREN ein paar minimale Fehltritte wie zum Beispiel das ein wenig zu plumpe Klavier-Intro auf „Fragility“.

Von der eigentümlichen Mischung aus Euphorie, Sehnsucht, Schwermut und Hoffnung, die AN AUTUMN FOR CRIPPLED CHILDREN mit ihrer Musik für gewöhnlich im Hörer auslösen, ist grundsätzlich auch auf „The Light Of September“ viel zu finden. Die Fans können also versichert sein, dass der gefühlvolle, musikalische Ausdruck der für die Niederländer typisch knapp bemessenen Entstehungszeit auch diesmal nicht zum Opfer gefallen ist. Was hier fehlt, sind jedoch die fesselnden Arrangements, die zuletzt „Eternal“ zu einem so leicht zugänglichen, aber doch langfristig beeindruckenden Klangkunstwerk gemacht haben. Von einem Totalausfall sind AN AUTUMN FOR CRIPPLED CHILDREN immer noch Welten entfernt, eine kleine Enttäuschung muss man hier dennoch hinnehmen.

Wertung: 7 / 10

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