CD-Review: Auðn - Vökudraumsins Fangi

Besetzung

Hjalti Sveinsson – Gesang
Aðalsteinn Magnússon – Gitarre, Gesang
Andri Björn Birgisson – Gitarre
Hjálmar Gylfason – Gitarre
Matthías Hlifar Mogensen – Bass, Gitarre
Sigurður Kjartan Pálsson – Schlagzeug

Gastmusiker:
Arnaldur Ingi Jónsson – Hammondorgel (Tracks 06 & 07)
Magnús Jóhann Ragnarsson – Klavier, Mellotron (Tracks 06 & 10)

Tracklist

01. Einn Um Alla Tíð
02. Eldborg
03. Birtan Hugann Brennir
04. Verður Von Að Bráð
05. Drepsótt
06. Næðir Um
07. Horfin Mér
08. Á Himin Stara
09. Ljóstýra
10. Vökudraumsins Fangi


Obwohl die isländische Black-Metal-Szene international für einen chaotischen, von Dissonanzen geprägten Stil bekannt ist, verfolgen viele Bands des kleinen Inselstaats ihre eigene Interpretation des Genres. Dynfari geben sich in ihren Songs etwa besonders feinfühlig, Kaleikr fordern ihre Hörerschaft mit vertrackten Strukturen und bei AUÐN liegt das Hauptaugenmerk auf der Melodieführung. Effekthascherei haben Letztere dank ihres soliden Songwritings offenbar nicht nötig, denn auch ohne auffällige Alleinstellungsmerkmale ist es der Band gelungen, 2016 den lokalen Wacken-Wettstreit für sich zu entscheiden und eine ansehnliche Fangemeinde aufzubauen. Zehn Jahre nach ihrer Gründung haben AUÐN mit „Vökudraumsins Fangi“ bereits ihr drittes Album am Start.

Schon vor seinem Release versprach „Vökudraumsins Fangi“, das bislang ambitionierteste Album der Isländer zu werden: Vorab kündigten AUÐN eine neue künstlerische Marschroute an, mit Jens Bogren und Stephen Lockhart wurden zwei erstklassige Produzenten ins Boot geholt und mit einer Laufzeit von 55 Minuten ist „Vökudraumsins Fangi“ die bis dato längste Veröffentlichung der Band. Die Enttäuschung überhöhter Erwartungen braucht man hier allerdings nicht zu befürchten. Zwar machen AUÐN mit ihrer Musik weiterhin nichts völlig Unverwechselbares, zweifelsfrei klingen die neuen Songs jedoch deutlich ausgefeilter als zuletzt auf „Farvegir Fyrndar“ (2017) und mindestens ebenso inbrünstig.

Insbesondere Frontmann Hjalti Sveinsson zieht in seiner intensiven Gesangsperformance sämtliche Register, kreischt verzweifelt, krächzt garstig und growlt mit abgründiger Stimmgewalt, wie es nur wenige Schreisänger vermögen. In instrumentaler Hinsicht macht das Album einen recht einheitlichen Eindruck, obwohl die einzelnen Tracks beileibe nicht alle nach demselben Muster gestrickt sind. So könnten etwa der achtminütige Opener „Einn Um Alla Tíð“, den AUÐN mit zarten Clean- und Akustikgitarren einleiten, ehe die mächtigen Tremolo-Riffs und Blast-Beats einsetzen, und das kompakte, wuchtig pochende „Drepsótt“ in ihrem Aufbau kaum weiter voneinander entfernt sein.

Hellhörig machende Besonderheiten wie die Hammondorgel im finster brodelnden „Horfin Mér“ oder das verspielt geklimperte Piano im sich langsam aufbauenden, melancholischen und weitgehend instrumentalen Titeltrack sind jedoch recht gut in den Stücken versteckt. Ihre vielleicht größte Entwicklung haben AUÐN allerdings nicht auf sich allein gestellt durchgemacht, handelt es sich dabei doch um die Bogren und Lockhart zu verdankende Produktion, die organisch, sauber und kraftvoll klingt und den Sound der beiden Vorgängerplatten im Handumdrehen in die Tasche steckt.

Alles in allem ist „Vökudraumsins Fangi“ ein Album ohne konkret störende Durchhänger, aber auch eines mit nur relativ wenigen herausragenden Tracks. Die knapp einstündige Spielzeit hätten AUÐN demnach vielleicht noch ein wenig verknappen können. So braucht man zwar einen recht langen Atem, um die Platte am Stück anzuhören, findet aber doch immer wieder kleine Details und Wendungen, die die Spannung hochhalten. Ihre Nische im isländischen Black Metal füllt die Band mit ihren zwar wenig innovativen, aber melodisch durchdachten und konsistenten Kompositionen besser denn je aus, sodass man AUÐN nun bereits zum dritten Mal als würdige Vertreter ihrer heimischen Szene weiterempfehlen kann.

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Bewertung: 8 / 10

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