Motörhead Iron Fist Cover Artwork

Review Motörhead – Iron Fist (40th Anniversary Edition)

Nicht nur MOTÖRHEAD selbst wurden 40 Jahre alt, mittlerweile werden es auch nach und nach ihre Alben – und da 1982 die fünfte Studioplatte „Iron Fist“ erschien, spendiert die Plattenfirma BMG respektive die Tochterfirma Sanctuary Records jetzt ebenjener Scheibe eine „40th Anniversary Edition“. Zu jener Zeit waren MOTÖRHEAD auf der Spitze ihres kommerziellen Erfolges. Mit „Ace Of Spades“ (1980) und der Live-LP „No Sleep ‚til Hammersmith“ (1981) – letztere eroberte sogar die Spitze der Album-Charts – hatten Lemmy & Co. zwei Platten mit Gold-Status veröffentlicht und waren nun unter Zugzwang, mit einem ungeduldigen Label im Rücken möglichst schnell nachzuliefern, um auf der Welle des Triumphs weiterzureiten.

Gewissermaßen war „Iron Fist“ also von Anfang an zum Scheitern verurteilt. Als ob die hohen Erwartungen und der Zeitdruck nicht schon Last genug waren, kamen zusätzliche Hürden hinzu: So wurde der ursprüngliche Produzent Vic Maile, der schon bei „Ace Of Spades“ am Mischpult saß, geschasst, weil Teile der Band (wer genau, hängt davon ab, wem man glauben will) nicht mehr mit ihm zusammenarbeiten wollten. Die Produktion übernahm Gitarrist Eddie Clarke – obwohl dieser zunächst gar nicht wollte. Die Songs waren im Rückblick laut Lemmy unterdurchschnittlich für den Bandstandard, einige davon im Studio notdürftig zusammengeschustert.

Am Ende sollte es immerhin noch Chartplatz 6 und Silber-Status für „Iron Fist“ werden, jedoch kein durchschlagender Erfolg wie die vorangehenden Veröffentlichungen – aber eben auch qualitativ nicht auf deren Augenhöhe. Der maßgebliche Karriereknick für die eigentlich gerade voll durchstartende Band war aber wohl der Ausstieg von Clarke zwei Monate nach Album-Release und somit der Zerfall des klassischen Trio-Line-ups um Lemmy, Eddie und Drummer Phil Taylor. Es mag also Gründe geben, warum „Iron Fist“ sowohl auf Fan- als auch auf Band-Seite keine Favoritenrolle einnimmt. Dass es bis auf den Titeltrack kein einziger Song dauerhaft in die Live-Setlists schaffte, tut der Platte dann aber doch etwas unrecht. Denn neben schnellen Brechern wie eben „Iron Fist“, „Heart Of Stone“ oder „Speedfreak“ machen auch Nummern wie „America“ und „(Don’t Let ‚Em) Grind Ya Down“ mit ihrem fetten Hard-Rock-Riffing und ausgedehnten Gitarrensoli oder „(Don’t Need) Religion“ und „Loser“ mit ihrem lässigen bis stampfenden Midtempo Spaß beim Hören.

Wer an Live-Versionen der auf Konzerten vernachlässigten Tracks interessiert ist, könnte im Bonusteil auf seine Kosten kommen: Dem Re-Release liegt eine Aufzeichnung des Konzerts im Glasgow Apollo am 18. März 1982 bei. Bei dieser Show haben MOTÖRHEAD sieben Songs von „Iron Fist“ gespielt – kurioserweise vor einem Publikum, das die Lieder noch nicht kannte, denn das Album kam aufgrund von Verzögerungen im Presswerk erst im darauffolgenden April und somit nach dem Start der Tour in die Läden. Die Aufnahme ist leider mit einem deutlichen Hintergrundrauschen versehen und dürfte aufgrund der Bootleg-Qualität nur für eingefleischte Fans attraktiv sein.

Kein Grund zur Beanstandung bietet hingegen das restliche Bonusmaterial: Zwar waren die B-Seite der „Iron-Fist“-Single, „Remember Me, I’m Gone“, und ein paar alternative Versionen von Album-Stücken schon auf vorangegangenen Reissues enthalten, doch die meisten Tracks, die bei dieser Neuauflage unter „Jackson’s, Morgan & Ramport Studios Demos“ aufgelistet sind, sind bisher unveröffentlicht gewesen. Darüber hinaus ist im nicht mit Umfang geizenden Booklet neben Plakaten sowie Band- und Konzertfotos auch die anekdotenreiche Hintergrundgeschichte zu „Iron Fist“ des britischen Musikjournalisten Kris Needs abgedruckt, der zu der Zeit zum inneren Zirkel der Band gehörte, ausgeschmückt mit allerlei Zitaten. Das Re-Release selbst erscheint als wertiges 2-CD-Digibook bzw. 3-LP mit Hardcover-Booklet, in dessen mittlerer Doppelseite man das Trio in seinem ulkigen Outfit zur damaligen Foto-Session bewundern kann.

„Iron Fist“ mag nicht an den Klassiker „Ace Of Spades“ heranreichen, ist aber bei weitem nicht so schlecht wie sein Ruf – weder die Songs noch die so gerne kritisierte Produktion von Eddie Clarke. Wer mit MOTÖRHEAD etwas anfangen kann und die Platte noch nicht im Regal stehen hat, bekommt hier ein sehr gut ausgestattetes Paket angeboten, das die Lücke füllen kann. Die Qualität des Bonus-Live-Albums mag nicht das Nonplusultra sein – als akustisches Zeitdokument einer mächtigen Band im Höhen- und kurz vor dem Sinkflug taugt es allemal. So bekommen unterm Strich auch Die-hard-Fans, die „Iron Fist“ bereits besitzen, mit dem umfangreichen Bonusmaterial und der ansprechenden Aufmachung Anreize für eine Neuanschaffung.

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Wertung: 8 / 10

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