Review Omnium Gatherum – The Redshift

Sicherlich ist jeder von euch schonmal einer Band begegnet, bei der einen schon der merkwürdige Name vom Reinhören abhält – so ging es zumindest mir lange Zeit mit den Finnen von OMNIUM GATHERUM; aus irgendeinem Grund ließ mich der komisch anmutende Name vor dem Reinhören zurückschrecken. Als nun kürzlich die Promoversion des neuen Albums „The Redshift“ auf meinem Schreibtisch landete, gab ich mir einen Ruck – wie hätte ich auch anders gekonnt, wenn der für den Mix verantwortliche Dan Swanö auf dem Promozettel zu Protokoll gibt, dass er überlegt hat, sich die CD unter den Nagel zu reißen und als seine eigene zu verkaufen, weil er sie so unglaublich geil findet?

Und tatsächlich: binnen einer Stunde stellten sich OMNIUM GATHERUM als meine Neuentdeckung des Quartels heraus. Für die, die noch nicht mit der Band vertraut sind: Hier wird Melodic Death Metal gespielt. Aber wie, Freunde, aber wie! Ich glaube, ich habe schon lange kein Album mehr im Laufwerk gehabt, das mich beim ersten Durchlauf so vom Hocker gepustet hat wie „The Red Shift“. Schon der knackige 3-einhalbminütige Opener „Nail“ stellt klar, wie der Hase läuft: Die sechs Finnen hauen einem ein wunderschönes Brett aus gefälligen Gitarrenriffs, orgasmusförderndem Tapping und dezent eingesetzten Keyboards um die Ohren. Wow! Wenn ich bei diesem Bandnamen mit etwas nicht gerechnet hätte, dann hiermit.
Und wer jetzt schon wieder unkt und eine Eintagsfliege vermutet, dem wird mit „A Shadowkey“ direkt der Wind aus den Segeln genommen. Als wäre es nichts wird das absolut leckere Rezept von „Nail“ genommen, recycled und in neuem, ebenso erstklassigem Gewand serviert. Während die Gitarrensektion mit tollen Riffs und einem filigranen Solo wieder zeigt, was sie kann, grunzt sich Jukka Pelkonen mit viel Wut und Energie durch die Zeilen, während er an ruhigeren Stellen zu einem rauen Gesang ansetzt, der sich ebenso wunderbar einfügt.

In den folgenden 39 Minuten (insgesamt sind es solide 47) entpuppt sich „The Red Shift“ als Melodic Death-Wundertüte erster Güte. „Chameleon Skin“ zieht die Härteschraube etwas an und setzt ganz auf Nackenbrecherriffs, „No Breaking Point“ punktet mit der ungezwungenen Pianomelodie zu Beginn und dem einfach fantastischen Refrain – und bevor ich nun jedes der restlichen sieben Lieder so beschreibe, sei gesagt: auch die beiden hinteren Drittel der CD strotzen nur so vor Einfällen, Gänsehautpassagen und genereller songwriterischer Exzellenz. Ein tolles Beispiel hierfür ist neben „Nail“ (das Teil versetzt mich immer wieder in Erstaunen) der Rausschmeißer „Distant Light Highway“ mit seinem träumerisch-melodiösen Grundriff und den bizarren Akkordwechseln in der Strophe.

Wie gesagt: beschreiben ließe sich hier noch viel mehr, aber das ist ja im Endeffekt nicht Sinn der Sache. Ich kann nur sagen: Wenn ihr Melodic Death Metal auch nur im Geringsten was abgewinnen könnt, greift zu! Wenn ihr keinen Melodic Death Metal kennt, hier ist euer Einstiegsportal! Für mich ist „The Redshift“ definitiv ein heißer Anwärter auf das Album des Jahres, nicht zuletzt wegen seiner „Lebensdauer“ – „Nail“ oder „A Shadowkey“ höre ich mir auch zum drölfzigsten Mal gerne an. Und etwas gelernt habe ich auch noch: Nicht von komischen Bandnamen abschrecken lassen und einfach mal den Mut zum Reinhören haben, es lohnt sich!

Wertung: 9 / 10

Geschrieben am 6. April 2013 von Metal1.info

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