CD-Review: Sepultura - Kairos

Besetzung

Derrick Green - Gesang
Andreas Kisser - Gitarre
Paulo Jr. - Bass
Jean Dollabella - Schlagzeug

Tracklist

01. Spectrum
02. Kairos
03. Relentless
04. 2011 (Interlude)
05. Just One Fix (Ministry Cover)
06. Dialog
07. Mask
08. 1433 (Interlude)
09. Seethe
10. Born Strong
11. Embrace The Storm
12. 5772 (Interlude)
13. No One Will Stand
14. Structure Violence (Azzes)
15. 4648 (Interlude)


Viel mussten SEPULTURA in den letzten Jahren, genauer gesagt eigentlich schon seit dem Rauswurf von Gründer Max Cavalera im Jahre 1996, einstecken: Von herber und, man kann es nicht anders sagen, in weiten Teilen berechtigter Kritik am musikalischen Schaffen bis hin zum ständigen Anzweifeln der generellen Existenzberechtigung einer Band unter dem Banner SEPULTURA, in der kein Cavalera mehr aktiv ist, durch einen nicht eben kleinen Teils der ehemaligen Fanbasis gab es eigentlich immer mindestens eine steiffe Brise, wenn nicht anständig Gegenwind für die Mannen um Derrick Green. Und vielleicht gerade, weil man sich bei dem ein oder anderen Album gewünscht hätte, sie hätten sich davon vielleicht doch beeindrucken lassen und die Band an den Nagel gehängt, beeindruckt umso mehr, dass sie sich über all die Jahre nicht unterkriegen ließen und unbeirrt weitermachten.

Nachdem sie sich nach längerer Stilfindungsphase gerade mit den letzten Alben, „Dante XXI“ und „A-Lex“, deutlich in Richtung Hardcore-Thrash orientiert hatten, hatte ich die Band als das, was sie einmal war, für mich eigentlich endgültig abgeschrieben. Dass mit „Kairos“ nun doch wieder eine SEPULTURA-CD in meinem Regal gelandet ist, ist deshalb so überraschend, wie die CD selbst – worin wiederum die Erklärung für ersteres steckt – hielt mit „Kairos“ doch ein gänlich unerwarteter Hauch alten Spirits Einzug in das Schaffen der Brasilianer, mit dem man nun wirklich nicht mehr gerechnet hätte.
So verbirgt sich hinter dem leider eher Nuclearblast- denn SEPULTURA-typischen Artwork (man denke hier beispielsweise an Vaders „Necropolis“) fast schon so etwas wie eine Homage an die guten, alten Tage, als Alben wie „Coma Of Souls“, „Seasons In The Abyss“ und eben auch „Arise“ noch top-aktuelle Insidertipps waren. Nach einem recht groovigen Midtempo-Stück als Einstieg offenbart „Kairos“ dabei einerseits sofort seinen straighten, dabei aber extrem unstressigen Charakter, was gerade im Hinblick auf die bisweilen arg chaotischen Vorgänger gleich mal zu gefallen weiß. In recht kratzigem Sound wird hier mitunter (allzu) deutlich auf die alten Klassiker Bezug genommen – könnte doch beispielsweise der Titeltrack auch dem Evergreen „Arise“ entstammen. Auch das darauf folgende „Relentless“ weiß diesen Retro-Flair zu untermauern, schafft es dabei sogar elegant, durch eine subtil eingeflochtene Cleangitarre sowie einige Soli das Material nochmal eine Stufe nach oben zu hieven – und doch deutet sich bereits hier an, was nach guten 50 Minuten kaum anzuzweifeln ist: Die in sich absolut stimmige Atmosphäre fordert Tribut in Form von Abwechslungsreichtum. Zwar ist keiner der gebotenen 15 Songs ein Totalausfall, und beispielsweise das Ministry-Cover „Just One Fix“, das durch die auch in dieser Version noch erhaltene Industrial-Metal-Attitüde gepaart mit Death/Thrash Metal-Elemente an die aktuelle Morbid Angel-Platte „Illud Divinum Insanus“ erinnert, setzt einen interessanten Akzent – alles in allem aber ist das Dargebotene ob seines trockenen, bis auf einige moderne Soundelemente sehr puristisch gehaltenen Stils nicht immer fesselnd.

Als durchaus erfreulich ist festzuhalten, dass SEPULTURA nach knappen 20 Jahren offensichtlich erkannt haben, dass „Arise“ ihr bestes Album ist – ein wenig schade, wenn auch nicht ganz überraschend, und deshalb auch keine Schande, ist, dass dies trotz eifriger Bemühungen auch nach dem Release von „Kairos“ so bleibt:
Denn auch, wenn dieses ein gutes Old School-Thrash Metal-Album und definitiv das Beste aus dem Hause SEPULTURA seit dem Meilenstein „Roots“ – und damit der Post-Max-Cavalera-Ära – ist… absolut zwingend ist es auf seine beachtliche Länge gesehen leider nicht, gilt es doch gerade in der zweiten Hälfte die ein oder andere Länge zu überbrücken. Dennoch hörenswert sind aber auf alle Fälle folgende

Anspieltipps: „Kairos“ & „Relentless“

Bewertung: 7.5 / 10

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