Und sonst so: Und sonst so … April 2020

Metal ist eines der lebendigsten Genres, die es gibt. In der Folge ist es bei der mittlerweile enormen Zahl an Veröffentlichungen schier unmöglich geworden, sämtliche Alben in ausführlichen Reviews vorzustellen. In unserer Rubrik „Und sonst so …“ kommen deswegen in Form von Kurz-Kritiken ein paar der Alben zur Sprache, die trotz Zeitmangel und Überangebot nicht unter den Teppich fallen sollten.


Load - Superego

Genre: Electronic / Gothic / Darkwave

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2018 wurde das Electro-Pop-Duo LOAD von Zaffre und Cyan in Basel gegründet, das Geschichten von urbaner Melancholie, düsterer Erotik und religiöser Abstraktion erzählt. Ihre Themen werden mit messerscharfen Synths, rockigen Gitarren und Retrowave-Elemente verbunden. „Superego“ ist LOADs elf Songs starkes Debütalbum, das über Radicalis Records/The Orchard erschienen ist. Die triste Wave-Atmosphäre erinnert an Depeche Mode und wird von den rockigen Parts deutlich aufgelockert, die sich harmonisch mit den Synthesizer-Beats verbinden. Das Schweizer Duo lässt schneidende Gitarrensoli einfließen („Black Knight Satellite“), bietet tanzbaren Electro-Pop („Cover Your Tracks“) oder funkige Momente („Red Riding Hood“). Die hintergründigen Retrowave-Klänge erhöhen das 80s-Feeling und geben den melancholischen Songs einen hoffnungsvollen Unterton. LOAD bieten eine fast perfekte Mixtur aus Electro-Klängen und Rock-Riffs, die sie auch über das Wave-Genre hinaus interessant machen.

[Christian Denner]


Nemus - Stein - Mensch

Genre: Black Metal

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Mit dem neuesten Opus „Stein – Mensch“ erzählt das Bamberger Black-Metal-Soloprojekt NEMUS die Geschichte eines Menschen, der auf einen hohen Berg stieg und eine Höhle entdeckte, in der er das Herz des Berges vorfand. Von der magischen Kraft absorbiert, wurde er als Mensch-Stein-Hybrid wiedergeboren. Auf der Suche nach menschlichen Seelen lockt er Kletterer zu sich und tötet sie, um sein Verlangen nach Leben zu stillen. Damit knüpft Frank Riegler direkt an die Vorgänger „See – Mensch“ und „Wald – Mensch“ an. Musikalisch ist wenig negativ anzukreiden. Durch ausreichende Tempiwechsel bleibt der Spannungsbogen stets aufrecherhalten. Zur Abwechslung tragen Piano-Klänge oder hintergründige Chöre bei. Gesanglich setzt NEMUS auf Screams, Growls und punktuellen Klargesang. Die Produktion ist ungeschliffen genug, um den Post-Black-Metal mit Black’n’Roll-Anflügen passend zu unterstreichen. Mit „Stein – Mensch“ hat NEMUS eine spannende Story und eine unerwartet tolle Umsetzung im Gepäck. Für Freunde deutschsprachigen Black Metals im Stil von Eïs„Wetterkreuz“ definitiv ein Tipp.

[Christian Denner]


Blitzcarnage - Dark Recesses (EP)

Genre: Black Metal

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Die Black-/Thrash-Metal-Band BLITZCARNAGE wurde 2015 in Madison, Wisconsin gegründet. Nach zwei Demos und der EP „Rehearsalcarnage“ folgt jetzt die zweite EP mit dem Titel „Dark Recesses“. Der Titelsong ist ein schleppender Track mit rumpelnden Drums, den außer seiner Atmosphäre wenig mit typischem Black Metal verbindet. Das Instrumental „The Dead And The Dying“ ist absolut verzichtbar. „Deathcrush“ nähert sich mit seiner Schnelligkeit und den ungestümen Riffs eher dem Black Metal an. Der raue und erdige Gesang ist weitgehend im Thrash Metal angesiedelt. Der unausgegorene Garagen-Sound schmälert den Hörgenuss dennoch sehr, gehen viele Anteile der beiden vollwertigen Songs doch im verwaschenen Sound unter. Wer auf extrem undergroundigen Klang steht, der wird bei BLITZCARNAGE fündig.

[Christian Denner]


Nero Or The Fall Of Rome - Beneath The Swaying Fronds Of Elysian Fields

Genre: Black Metal

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NERO OR THE FALL OF ROME, mit Mitgliedern von Riul Doamnei, ist eine Epic-Doom-/Black-Metal-Band aus dem italienischen Verona, die von Bathory, Darkthrone oder Candlemass beeinflusst wurde und nun das Debüt „Beneath The Swaying Fronds Of Elysian Fields“ über Naturmacht Productions vorgelegt hat. In ansprechend epischer Old-School-Atmosphäre preschen die acht Songs voran, bieten aber ebenso entschleunigte Parts. Die markerschütternden Screams werden von Klargesang aufgelockert, der sich in Richtung Primordial orientiert. Zum teils groovenden, teils messerscharfen Riffing gesellen sich wiederholt melodische Anteile, die die angekündigte Epik unterstreichen. NERO OR THE FALL OF ROME mögen einen sperrigen Namen haben, ihr Debüt ist dafür mehr als ansprechend umgesetzt. Eine dringende Empfehlung!

[Christian Denner]


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