Und sonst so: Und sonst so … März 2018


Metal ist eines der der lebendigsten Genres, die es gibt. In der Folge ist es bei der mittlerweile enormen Zahl an Veröffentlichungen schier unmöglich geworden, sämtliche Alben in ausführlichen Reviews vorzustellen. In unserer Rubrik „Und sonst so …“ kommen deswegen in Form von Kurz-Kritiken ein paar der Alben zur Sprache, die trotz Zeitmangel und Überangebot nicht unter den Teppich fallen sollten.


Palace Of The King - Get Right With Your Maker

Genre: Rock

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Nach zwei EPs und zwei Alben erscheint nun mit „Get Right With Your Maker“ die fünfte Veröffentlichung von PALACE OF THE KING. Auf diesem zeigt sich die Band gereift, lässig und absolut tiefenentspannt. Irgendwo zwischen den Grooves von Karma To Burn, der Mystik von Jess And The Ancient Ones und der erdig-rockigen Seite von Led Zeppelin spielen die vier Herren in rund 37 Minuten zehn Songs, die gute Laune verbreiten. Der warme Sound und die knackigen Riffs triefen vor Retro-Charme und verbreiten ein Gefühl von Sommer, Festivals, Bier und Entspannung. Sicher keine musikalische Revolution, aber eine Platte, die auf jeden Fall super unterhält.

[Christoph Emmrich]


Little Caesar - Eight

Genre: Hard Rock

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LITTLE CAESAR sind vielleicht die glückloseste Band der Welt. Oder die mit dem schlechtesten Timing. Denn bereits seit 1987 ist die Truppe unterwegs, doch immer wenn es nach Erfolg roch, kam etwas dazwischen. Mal ging ein Label pleite, mal machte Grunge den 70er-Jahre-Hard-Rock der Band zur uncoolsten Musik auf Erden. Nun erscheint mit „Eight“ das neue Album der Truppe, auf der sie weiter in der Schnittmenge aus Bad Company, Humble Pie und ZZ Top lässig und ganz old school rocken. Nicht neu, nicht aufregend, aber grundsolide und durchaus unterhaltsam.

[Christoph Emmrich]


Axel Rudi Pell - Knight's Call

Genre: Hard Rock

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Die Personifizierung der 80er ist zurück. AXEL RUDI PELL, der seit 1989 Alben veröffentlicht, legt mit „Knight’s Call“ seine seine 17. Scheibe vor. Allein die schiere Anzahl an Platten und Menge an veröffentlichtem Material nötigt einem einen gewissen Respekt ab. Dabei ist es dem Mann zudem gelungen, konstant Erfolg zu haben und nicht nur ein Hit-Album zu schreiben. Auch die neue Scheibe bietet seinen Fans soliden melodischen Hard Rock mit jeder Menge Soli. Alles beim alten also, was den Anhängern von AXEL RUDI PELL nur recht sein dürfte, wie der Chartreinstieg des Albums unterstreicht.

[Christoph Emmrich]


Pestilent Reign - Pyres

Genre: Death Metal

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Auf den ersten Blick lediglich eine weitere Death-Metal-Platte, wird man beim Reinhören eines Besseren belehrt. Zwar gehen die noch weitestgehend unbekannten PESTILENT REIGN aus der Region Stuttgart auf ihrem Debüt keinerlei Experimente ein, derart gekonnt umgesetzte, fetzige Riffs bekommt man aber auch im Death Metal nicht oft zu hören. “Pyres” ist ein verdammt starkes, modern (wenngleich auch etwas arg trocken) produziertes Album, mit dem die Formation hoffentlich einiges an Aufmerksamkeit auf sich ziehen kann.

[Simon Bodesheim]


On Thorns I Lay - Aegean Sorrow

Genre: Doom Metal

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Ein ganz komischer Fall. Im Grunde ist ON THORNS I LAYs melodischer Doom Metal à la Swallow The Sun superkitschig. Weil sie das aber offensichtlich krampfhaft verhindern wollen, bauen sie an jeder Stelle, an der der Kitsch sich am deutlichsten zeigen würde, Akkordwechsel oder Melodieläufe ein, die vollkommen unintuitiv sind. Das Ergebnis ist ein merkwürdiges Album, das sich nicht entscheiden kann, was es will – melancholisch und schön sein, oder musikalisch unvorhersehbar und spannend. In diesem inneren Konflikt gelingen der Formation auf „Aegean Sorrow“ seltsamerweise gleich mehrere wirklich interessante Momente – vielleicht nicht die von der Band angestrebten – aber dennoch erzeugen sie einen gewissen Reiz, der das Album letztlich vor dem Scheitern rettet. Unverständlicherweise irgendwie ganz gut.

[Simon Bodesheim]


Slugdge - Esoteric Malacology

Genre: Extreme Metal

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Man darf sich von diesem komplett unpassenden, hässlichen, trippy Cover nicht in die Irre führen lassen: Hier handelt es sich nicht etwa um Psychedelic Rock oder derartiges, sondern um recht aggressiven, progressiven Extreme Metal irgendwo zwischen Keep of Kalessin, Gojira, Batushka und eigentlich zu vielem anderem aus dem Prog-/Extreme-Bereich, sodass ein richtiger Vergleich kaum möglich ist. „Esoteric Malacology“ gehört mit zum Kreativsten, auf das man in den letzten Jahren in diesem Genre stoßen konnte. Gerade deswegen muss aber betont werden, dass SLUGDGEs Vorgehensweise potentiell zu einem herausragenden, innovativen Meisterwerk hätte führen können, das das Album dann letztlich nicht ganz geworden ist. Eine bedenkenlose Empfehlung für jeden Extreme-Metal-Fan, der seine Musik auch mal außergewöhnlich mag, ohne dass es gleich avantgardistisch-prätentiös oder experimentell wird, kann man aber auf jeden Fall aussprechen.

[Simon Bodesheim]


Nightmarer - Cacophony of Terror

Genre: Extreme Metal

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Der Albumname ist hier Programm, denn ähnlich wie Aosoth oder Deathspell Omega feuern NIGHTMARER auf ihrem Debüt durchgehend dissonanten Death beziehungsweise Extreme Metal auf den Hörer ab. So positiv wir uns auch bei eben genannten Bands darüber geäußert haben, überzeugt NIGHTMARERs Version dieser Musik nicht zu 100%. Dass Eingängigkeit und Unterscheidbarkeit der Songs bei solcher Musik auf der Strecke bleibt, ist klar, dennoch bietet “Cacophony of Terror” letztlich nicht genug Abwechslung, sodass trotz der beeindruckend fiesen Atmosphäre zwischenzeitlich doch mal der Blick auf die Uhr wandert und die Geduld schwindet. Dass das Trio mit seinem Debüt gleich bei Season Of Mist landete, ist übrigens kein Anlass zum Staunen: Hinter dem Projekt stecken mit The-Ocean-Drummer Paul Seidel und Gitarrist Simon Hawemann gleich zwei Mitglieder der zur Zeit auf Eis gelegten War From A Harlots Mouth, die ebenfalls bei Season of Mist unter Vertrag stehen/standen.

[Simon Bodesheim]


Infraktor - Exhaust

Genre: Thrash Metal

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INFRAKTOR spielen auf „Exhaust“ eine Art thrashigen Lamb-Of-God-Groove-Metal. Obwohl man hier ehrlich keine Punkte auf Innovation vergeben kann, machen INFRAKTOR ihre Sache einfach zu gut, um ihr Debüt nicht zu empfehlen. Die Riffs haben ordentlich Schub und sind auch kreativer als der übliche 08/15-Thrash-/Death-Metal. Man darf bezweifeln, dass die Band damit wirklich viel erreicht, denn solange es Lamb of God gibt, besteht ja nicht wirklich Bedarf für einen Klon. Dafür, dass sie ihre Hausaufgaben aber allergründlichst gemacht haben, verdient die Formation durchaus große Anerkennung. Vielleicht schaffen sie es beim nächsten Mal ja, noch ein paar neue Pfade zu beschreiten.

[Simon Bodesheim]


Susperia - The Lyricist

Genre: Extreme Metal

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Auf „The Lyricist“, dem sechsten Album der Extreme-Metal-Band mit ex-Dimmu-Borgir-Drummer Tjodalv, wird neben üblichem gutturalem Gesang auch klassischer Heavy-Metal-Gesang eingesetzt. Das lässt die Musik tatsächlich sehr interessant klingen. Das Songwriting gestaltet sich mit seinem Fokus auf Midtempo-Melodeath und -Thrash-Metal mit einer Prise Black Metal allerdings nicht durchgehend superspannend. Trotzdem wissen die Songs überwiegend zu gefallen, mit dem Titeltrack als Highlight. SUSPERIA ist damit zwar keine herausragende, aber eine durchaus anhörbare Platte gelungen.

[Simon Bodesheim]


Demonical - Chaos Manifesto

Genre: Death Metal

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„Chaos Manifesto“ hätte das Potential gehabt, ein Anwärter auf das Album des Monats zu sein, wenn die Langweiler-Tracks “Välkommen Undergång” und “From Nothing” nicht wären. Der Rest der Scheibe ist nämlich Kick-Ass-Old-School-Death-Metal, wie er sein soll: auf den Punkt und an den richtigen Stellen mit Melodeath-Einschlag, ähnlich wie die frühen Hypocrisy. Auch so ist DEMONICAL zwar noch ein verdammt starkes Album geglückt, aber wenn man die beiden Tracks überspringt, ist es noch kürzer als ohnehin schon mit seinen gerade mal 34 Minuten Laufzeit. Wie auch bei Slugdge: Chance vertan!

[Simon Bodesheim]


Prag 83 - Fragments Of Silence

Genre: Entmetallisiert

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(Neofolk) „Fragments Of Silence“ ist ein schönes Dark-Neofolk-Album eines sich lediglich Herr K. nennenden Musikers aus Norddeutschland. Für sein Soloprojekt PRAG 83 zieht er Inspiration aus den Werken Franz Kafkas, was sich auch hörbar im Sound niedersetzt. Als hätte er aus Simon & Garfunkels Musik die dunkelste Essenz extrahiert, klingt sein Album nach vertonter menschlicher Entfremdung – mystisch, düster und bedrückend zugleich. Wer auch mal Abseits des Metals gern etwas Ruhiges zwischendurch hört, dem kann man dieses auf eine ganz eigene Weise spannende Akustikalbum ans Herz legen, wenngleich die Songs auch nicht dafür ausgelegt, Hits zu sein – denn dafür ist die Musik zu unaufgeregt.

[Simon Bodesheim]


Rolo Tomassi - Time Will Die And Love Will Bury It

Genre: Stilübergreifend

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(Post-Metal / Black Metal / Progressive Metal / Mathcore) „Time Will Die And Love Will Bury It“ klingt, als hätte man aus Oathbreaker, Converge, Anathema, den norwegischen Shining und The Dillinger Escape Plan eine Supergroup gebastelt. Sprich, das Ganze wandelt sehr elegant zwischen sanften, sphärischen Post-Rock/-Metal-Passagen und brachialen, vertrackten Mathcore-/Prog-Metal-Ausbrüchen. Sängerin Eva Spence leitet den Hörer mit gleichermaßen starken Clean-Vocals und Screaming durch das fast einstündige Album. In so manchem Klargesangsteil droht die Musik stellenweise in Kitsch abzudriften, letztlich findet die Truppe meist aber einen gekonnten Mittelweg, um ihre gefühlvollen Gesangsmelodien mit ekstatischer Härte zu verbinden. Damit haben ROLO TOMASSI eine ziemlich tolle und beeindruckende Platte erschaffen.

[Simon Bodesheim]


Distances - Diableries

Genre: Stilübergreifend

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(Post-Metal / Black Metal / Hardcore) Und gleich noch mal Post-Black Metal, dieses Mal geht das Ganze aber mehr in Richtung atmosphärischer Doom, Sludge und Hardcore. Darüber hinaus setzen DISTANCES neben gelegentlichem Cleangesang der Bassistin überwiegend Violine als Leadinstrument ein, die der Musik eine wundervoll tragische Note verpasst. Mit 64 Minuten Laufzeit ist die Platte nur leider etwas arg voluminös geraten, sodass die ein oder andere Länge sich nicht verstecken kann. Trotzdem ist „Diableries“ wirklich schöne Musik für Menschen, die in ihrem Black Metal auch Post-Hardcore zulassen beziehungsweise die ihren Post-Hardcore auch mal etwas brachialer und düsterer mögen und erinnert dabei sehr an Heaven In Her Arms.

[Simon Bodesheim]


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