CD-Review: Eisregen - Blutbahnen

Besetzung

Michael "Blutkehle" Roth – Gesang
Michael "Bursche" Lenz - Gitarre, Bass
Ronny "Yantit" Fimmel - Schlagzeug
Daniel "DF" Fröbing - Keyboard

Tracklist

01. Auftakt: Eine Kleine Schlachtmusik
02. Eisenkreuzkrieger
03. Im Dornenwall
04. Ein Hauch Von Räude
05. 17 Kerzen Am Dom
06. Blutbahnen
07. Alphawolf
08. Frischtot
09. Schlachthaus-Blues
10. Zurück In Die Kolonie
11. Schneuz Den Kasper!


Eigentlich ist bei den deutschen Kontrovers-Metallern EISREGEN immer etwas los. Sei es ein Nebenprojekt mit einem verwechslungsgefährdeten Namen (Eisblut), das Release einer recht eigenwilligen MCD oder die erneute Intervention der Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Medien (BPjM). Letztere schlug vor wenigen Monaten erneut zu und indizierte auf Anfrage den bereits 2004 erschienenen Vorgänger, was eine öffentliche Ausstellung und die Abgabe des Albums an Minderjährige untersagt. Dies war bekanntlich kein Einzelfall, reiht sich die Platte jetzt auf dem Index neben dem zweiten Album von 1998 – für das sogar ein Verbreitungsverbot in Kraft trat – und einer weiteren Scheibe von 2001. Vorgeworfen wurde der Band stets Gewaltverherrlichung, Frauenfeindlichkeit und verrohende Inhalte, die schwer „sozialethisch desorientierend“ seien. Das können nicht einmal Cannibal Corpse toppen, von denen außerdem seit Gezeiten kein Album mehr indiziert wurde, da dem rechzeitig vorgebeugt wurde. Doch offensichtlich hat Roths Hang zu derartigen Themen kein bisschen nachgelassen, sonderlich beeindrucken ließ er sich wohl ebenso wenig, im Gegenteil. Die Texte sind ebenso offensiv wie seit jeher, was vermutlich eine erneute Prüfung durch die BPjM zur Folge haben wird. Lediglich das Coverartwork wirkt dieses Mal überraschend zahm, sieht dafür aber auch eher langweilig aus und ist unvergleichlich mit denen der Vorgänger. Absicht?

Doch auch musikalisch bleibt man größtenteils beim Alten, erwähnenswert ist aber der Ausstieg der Violinistin 2T, so fällt die Geige auf dem neuesten Werk der Thüringer, namentlich „Blutbahnen“, fast komplett weg, trotz einer Sessionmusikerin, die die Geigenparts übernommen haben soll, taucht das Instrument kaum mehr in seiner ursprünglichen Form auf. So besteht die Musik nunmehr vorwiegend aus Gitarre, Bass, Schlagzeug und Keyboard, was viele sicher schon im Voraus als Kritikpunkt anbrachten. Nach einem atmosphärischen und doch recht passablen Intro namens „Eine Kleine Schlachtmusik“ (toppt aber nicht Nattefrosts vollkommen hirnlose Variante des Titels – „Eine Kleine Arschmuzick“) geht es mit „Eisenkreuzkrieger“ auch schon los. Zunächst wirkt das Pianointro doch eher wie das zu einem Gothic-Titel, bald aber geht man in die typische EISREGEN-Stilistik über, mittelschnelle Riffs, gekeifter und melodischer, klarer Gesang. Musikalisch ist dieser Song durchaus etwas wert, die Texte kann ich schlecht beurteilen, da man bis auf Ausnahmen nicht wirklich viel einwandfrei verstehen kann, um Gewalt und Krieg geht es aber natürlich mal wieder. Auch das nachfolgende Material ist musikalisch sehr überzeugend, überwiegend klingt alles sehr Melodic Black Metal-lastig. „Im Dornenwall“ stellt gar einen richtigen Ohrwurm dar. So, nun aber zum Sorgenkind, welches sich selbst „17 Kerzen Am Dom“ nennt. Hier greift man bewusst die äußerst kontroverse Thematik und Problematik um Amokläufe an Schulen auf, indem man den Amoklauf in Erfurt vom 26.4.2002, während dem der 19jährige Schüler Robert Steinhäuser 16 Menschen und anschließend sich selbst erschoss. Besonders der letzte Vers des Textes dürfte problematisch werden und auch wieder die Bundesprüfstelle auf den Plan rufen, „17 Menschen starben für deine 10 Minuten Ruhm.“ heißt es dort. Der Titelsong ist wieder sehr langsam, melodisch und eingängig gehalten und sticht durch die durchgehend klaren Vocals und die melancholische Atmosphäre heraus.

Insgesamt wissen EISREGEN auch auf ihrem sechsten Album wieder zu überzeugen, mangeln tut es hier aber ein wenig an Innovation. Sie machen genau das, was sie immer gemacht haben, setzen vielleicht mehr auf Pianoklänge, bleiben aber ansonsten ihrer Stilistik sehr treu. Auch der „Schlachthaus-Blues“ ist ein zweischneidiges Schwert, kann einerseits als nette Abwechslung, andererseits aber auch als langweilige Spielerei gesehen werden. Nunja, ein Album, das wirklich zu gefallen weiß, auf dem man die totalen Höhepunkte aber etwas vergeblich sucht. Wer die bisherigen Scheiben alle mochte, der wird auch hieran vollkommen gefallen finden, sollte sich das Album aber vielleicht sicherheitshalber baldmöglichst zulegen. Man weiß ja nie, wahrscheinlich wird’s laufen wie bei allen anderen und irgendein frommer Aktivist serviert der BPjM das Ding nach 3 Jahren auf dem Silbertablett. Man weiß es nicht, unterkriegen lassen sich EISREGEN ja sichtlich nicht.

Bewertung: 7.5 / 10

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