Und sonst so: Und sonst so … November 2018

Metal ist eines der der lebendigsten Genres, die es gibt. In der Folge ist es bei der mittlerweile enormen Zahl an Veröffentlichungen schier unmöglich geworden, sämtliche Alben in ausführlichen Reviews vorzustellen. In unserer Rubrik „Und sonst so …“ kommen deswegen in Form von Kurz-Kritiken ein paar der Alben zur Sprache, die trotz Zeitmangel und Überangebot nicht unter den Teppich fallen sollten.


Cripple Bastards - La Fine Cresce Da Dentro

Genre: Brutal Death / Grindcore

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Die Italiener haben mit ihrem neuen Album zweifellos eine der stärksten Grindcore-Platten des Jahres fabriziert. Den CRIPPLE BASTARDS gelingt es trotz typisch geringer Songlängen in dieser kurzen Zeit alles zu sagen, was es zu sagen gibt – nicht mehr und nicht weniger. Abgesehen von drei sinnlosen Fünf-Sekunden-Riff-Tracks gegen Ende des Albums ist “La Fine Cresce Da Dentro” durchgehend ein kurzweiliges Vergnügen für Freunde stumpfen, aber gekonnten Geprügels.

[Simon Bodesheim]


Tenacious D - Post-Apocalypto

Genre: Rock

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TENACIOUS D war schon immer die Spielwiese von Jack Black und Kyle Gass, auf der die beiden ganz unverkrampft ihren jugendlich-pubertären Schwachsinn ausleben können. Folglich ist auch “Post-Apocalypto” eine aus Pop-Kultur-Versatzstücken schamlos zusammengeklaute, vollkommen bescheuerte und im Grunde überhaupt keinen Sinn ergebende Geschichte, die nur dazu dient, jene vulgären Sex- und Rock-‘n’-Roll-Blödeleien unterzubringen, die ihre Texte schon immer geprägt haben. Und das Ergebnis ist tatsächlich saukomisch! Gleichwohl: die Veröffentlichung in Albumform ist leider nicht sonderlich gelungen. Die Gesamtspielzeit an Musik von gerade einmal 19 Minuten wäre zu kurz für ein Album gewesen. Hätte man die komplette Serie dagegen in Form eines Hörspiels veröffentlicht, käme man auf weit über eine Stunde. TENACIOUS D entschieden sich leider für das einzig Falsche: den Mittelweg. Neben allen Musiktracks haben lediglich elf Minuten an Dialogen aus der Serie den Weg aufs Album gefunden. Allerdings hat das derart große Handlungssprünge zur Folge, dass diese Ausschnitte in der Albumversion komplett unzusammenhängend wirken und es unmöglich ist, so der Geschichte zu folgen. Wer sich das Ganze also in der einzig sinnvollen Form geben will, muss sich die empfehlenswerte Miniserie auf YouTube angucken. Das Album dagegen kann man sich sparen.

[Simon Bodesheim]


Horizon Ablaze - Di Inferi (EP)

Genre: Black Metal

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Im Februar veröffentlichten HORIZON ABLAZE ihr neues Album “The Weight Of A Thousand Suns”. Nun hat die Band zwei Songs, die es nicht mehr aufs Album geschafft haben, als EP veröffentlicht. Und die einzige Frage, die sich dem Hörer stellt, ist: Warum zur Hölle denn nicht!? Die beiden Songs sind derart stark, dass sie die Stücke auf dem eigentlichen Hauptalbum mit Leichtigkeit in den Schatten stellen. Insbesondere der Titeltrack der EP ist derart grandios, dass es die Entscheidung wirklich schwer nachvollziehbar macht.

[Simon Bodesheim]


Muse - Simulation Theory

Genre: Alternative Rock / Metal

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Einerseits klingen MUSE durch die Miteinbeziehung diverser Synthwave-Elemente – wie das Albumcover unschwer erkennen lässt – etwas frischer als noch auf den beiden wenig spannenden Vorgängern. Gerade in der zweiten Hälfte verlieren sich die Briten dann aber in allzu banalem Stadionrock. Dass ihr Sound inzwischen den organischen Rockcharakter ihrer Anfangstage vollkommen vermissen lässt und auch Schlagzeuger Dominic Howard lieber radiokompatible Standardbeats statt mit Groove spielt, ist auch etwas schade. Das neue Werk mag vielleicht das noch am ehesten brauchbare der letzten drei Alben sein. Qualitativ ist aber auch „Simulation Theory“ nicht vergleichbar mit ihren Alben aus der Prä-2010-Ära.

[Simon Bodesheim]


Valkyrja - Throne Ablaze

Genre: Black Metal

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2010 veröffentlichten VALKYRJA mit “Contamination” eines der besten Black-Metal-Alben überhaupt. Demnach müssen sie sich seitdem leider immer daran messen lassen. Und wie auch schon das letzte Album, “The Antagonist Fire”, kann auch “Throne Ablaze” diesem Vergleich nicht standhalten. Nicht, weil es kein starkes Album wäre: Auch auf “Throne Ablaze” fabrizieren VALKYRJA feinsten schwedischen Black Metal. Aber zu keinem Zeitpunkt erreicht die Platte die Genialität von “Contamination”, oder VALKYRJAs Debüt “The Invocation Of Demise”. Das liegt vor allem auch am Ausstieg des langjährigen Schlagzeugers Jocke Wallgren, der seit seinem Wechsel zu Amon Amarth 2016 nicht mehr dabei ist. Sein Schlagzeugspiel, das die Black-Metal-Riffs nicht nur untermalte, sondern sie durch perfekte Akzentuierung enorm aufzuwerten und in Szene zu setzen wusste, gehörte zum Besten, was es an Drumming im Black Metal gibt. Sein Nachfolger Victor Parri ist ein zweifellos fähiger Black-Metal-Schlagzeuger, der sämtliche Basics beherrscht, dem aber im Vergleich eben jenes Gespür zur Symbiose mit den Riffs abgeht. Trotz all dieser Kritik auf sehr hohem Niveau, ist “Throne Ablaze” aber dennoch ein tolles Black-Metal-Album. Nur eben nicht das erhoffte Meisterwerk.

[Simon Bodesheim]


Ancst - Abolitionist (EP)

Genre: Stilübergreifend

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(Black Metal / Post-Hardcore) Nach einem Ausflug in den Bereich Ambient und Noise ist ANCSTs neue EP “Abolitionist” wieder in jenem ursprünglichen Mix aus Black Metal und Post-Hardcore gehalten, den sie dieses Jahr erst auf “Ghosts of the Timeless Void” gekonnt präsentierten, und macht genau dort weiter. Durch die reduzierte Spielzeit ist “Abolitionist” dabei insgesamt sogar noch etwas kurzweiliger und hat einen geringeren Filler-Anteil. Wer also “Ghosts of the Timeless Void” toll fand, kann hiermit nichts falsch machen.

[Simon Bodesheim]


Psycroptic - As The Kingdom Drowns

Genre: Technical / Progressive Death Metal

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Im Bereich Tech-Death warten PSYCROPTIC auf ihrer neuen Platte “As The Kingdom Drowns” mit vielen mitreißenden, groovenden und kreativen Riffs auf. Der letzte Funken zum Entzünden der Begeisterung fehlt allerdings dann leider doch. Das ist vor allem der arg toten Modern-Metal-Produktion geschuldet, die zwar alles ultrafett klingen lässt, aber dafür sämtlichen Charakter killt, den ein Sound zum Album beitragen kann. Glücklicherweise ist die Musik der Australier aber derart stark, dass sie auch mit diesem Sound gut funktioniert. Das Albumcover stammt übrigens vom polnischen Künstler Mariusz Lewandowski, der sich zuletzt auch für das Artwork von Bell Witchs gefeiertem Album “Mirror Reaper” verantwortlich zeigte.

[Simon Bodesheim]


1914 - The Blind Leading The Blind

Genre: Death Metal

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1914 machen den ersten Weltkrieg thematisierenden Blackened Death Metal – wie der Bandname ja schon andeutet. Und das machen sie auch wirklich gut. Die Produktion passt, eingespielt ist es auch sehr gut. Aber wirklich abheben von vergleichbaren Bands dieses Genres tut sich die Musik leider auch nicht so richtig. Wer also auf diesen Musikstil steht und davon nicht genug haben kann, kann gern mal ein Ohr riskieren. Alles in allem fehlt „The Blind Leading The Blind“ aber ein richtiges Alleinstellungsmerkmal. Vor allem bei 59 Minuten Spielzeit ist so etwas ja durchaus wichtig.

[Simon Bodesheim]


Sunless Dawn - Timeweaver

Genre: Stilübergreifend

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(Progressive Metal / Extreme Metal) Die Newcomer und Gewinner der dänischen Ausgabe des Wacken Metal Battle spielen einen eher selten vorkommenden Stil, nämlich progressiven Extreme Metal. Dabei halten sich SUNLESS DAWN oft an eher sphärische Parts, die von Keyboards unterstützt werden. Das Ganze ist an der einen oder anderen Stelle sicherlich noch ausbaufähig. Wer aber Prog-Death-Bands wie Opeth schätzt, seinen Extreme Metal generell ein bisschen vertrackter mag und dabei trotzdem nicht auf Atmosphäre verzichten möchte, sollte in “Timeweaver” unbedingt mal reinhören. Für ein Debüt ist das wirklich eine starke, respektable Leistung.

[Simon Bodesheim]


Azusa - Heavy Yoke

Genre: Avantgarde / Avantgarde Metal

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„Heavy Yoke“ ist einer dieser Fälle, bei denen man begeistert den Mut zum Neuartigen und zum eigenen Stil loben will, die aber in der Ausführung leider nicht komplett gelungen ist. AZUSA sind eine Supergroup aus (Ex-)Mitgliedern von The Dillinger Escape Plan, Extol sowie Sea+Air. Ihre Musik erinnert, nicht zuletzt dank des Gesangs, vielleicht am ehesten noch an eine extreme Variante des Alternative-/Avant-Garde-Metal von Stolen Babies. Leider erreicht das Album aber nie ganz den Hitfaktor eines “There Be Squabbles Ahead”. Die Songs sind kurzweilig und an vielen Stellen durchaus beeindruckend. Etwas mehr hätte dann aber doch hängenbleiben dürfen. Und mit “Fine Lines”, “Programmed To Distress” und “Succumb To Sorrow” haben sich leider auch ein paar eher langweilige Filler aufs Album verirrt. Wer abgefahrener Musik mit Frauengesang und -screams sowie beeindruckenden Grooves aber eine Chance geben will, sollte sich AZUSAs Debütalbum durchaus mal zu Gemüte führen.

[Simon Bodesheim]


22 - You Are Creating

Genre: Progressive Rock / Metal

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„You Are Creating“ ist nicht nur Albumtitel, sondern auch Programm. Denn 22 stellen auf ihrem neuen Album die These auf, dass nicht die Musiker, sondern der Hörer die Wirkung der Musik erzeugt. Dementsprechend besteht das Album aus den beiden Teilen Limb1 und Limb2, welche jeweils auch acht Teilen bestehen. Dem Hörer obliegt es nun, daraus ein Ganzes zu formen. So abgefahren das klingt, so spannend ist es. Allerdings kann man „You Are Creating“ auch einfach als unheimlich starkes Prog-Album mit Einflüssen wie Animals As Leaders, Arcane Roots, Leprous oder Agent Fresco hören. Wer seine Musik anspruchsvoll und vielschichtig man, ist hier genau richtig.

[Christoph Emmrich]


The Intersphere - The Grand Delusion

Genre: Alternative Rock / Metal

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Knapp fünf Jahre mussten die Fans der Mannheimer sich gedulden, ehe THE INTERSPHERE sich nun mit „The Grand Delusion“ zurückmelden. Auch auf ihrem neuen Album wird dem Hörer mitreißender Alternative Rock geboten, abseits von Mainstreamanbiederung. Dabei versuchte die Band die vier Hauptinstrumente so nah und direkt wie möglich einzufangen, weshalb man fast durchgehend auf Doppelungen verzichtete. Im Gegensatz dazu gibt es jede Menge Open Tunings sowie Distortion- und Fuzz Pedale, um einen verzerrten und dreckigen Sound zu erzielen, was THE INTERSPHERE auch gelingt – selbst bei opulenten Arrangements. Spannende Scheibe, der man durchaus seine Zeit schenken sollte.

[Christoph Emmrich]


Def Leppard - The Story So Far - The Best Of

Genre: Rock

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Weihnachten steht vor der Tür und die Musikindustrie füttert die Kauflustigen mit Veröffentlichungen, die man prima unter den Baum legen kann. Zu dieser Kategorie zählt sicher auch „The Story So Far – The Best Of“, mit dem DEF LEPPARD ihre Fans locken wollen. Auf ein oder zwei CDs beziehungsweise zwei Vinylscheiben bekommt der geneigte Käufer einen umfassenden Überblick über das Schaffen der britischen Giganten. Neben sämtlichen Hits wie „Pour Some Sugar On Me“ gibt es in jedem Falle eine Aufnahme des Depeche-Mode-Covers „Personal Jesus“ sowie – saisonal passend – den Weihnachtssong „We All Need Christmas“. Wer noch ein Geschenk braucht, kann diese Veröffentlichung sicher in Erwägung ziehen.

[Christoph Emmrich]


Night Crowned - Humanity Will Echo Out (EP)

Genre: Melodic / Symphonic Black Metal

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„Humanity Will Echo Out“ von NIGHT CROWNED gehört mit zum Besten, was es dieses Jahr im Bereich Melodic Black und Blackened Death Metal zu hören gab. Tight, wahnsinnig atmosphärisch und mit vielen mitreißenden Riffs ausgestattet begeistert die 15-minütige EP so sehr, dass man jetzt schon kaum die Zeit abwarten kann, bis das erste richtige Studioalbum kommt. Damit müssen die Schweden zu den heißesten Acts des Jahres im Newcomer-Bereich gezählt werden. Jeder Fan von Black und Death Metal sollte unbedingt mal in die EP reinhören.

[Simon Bodesheim]


Sarah Longfield - Disparity

Genre: Progressive Rock / Metal

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Das gefragte Label Season of Mist hat sich der zuvor vor allem durch ihren YouTube-Channel bekannten Multiintrumentalistin SARAH LONGFIELD angenommen. “Disparity” ist gut geeignet zum entspannten Nebenbeihören. Erstaunlich ist, auf welchem technischen Niveau die Instrumente von Longfield gespielt werden. Für Instrument-fokussierten Prog passiert dann aber in diesen kurzen Drei-Minuten-Tracks zu wenig Interessantes, als dass es sich lohnen würde, genauer aufzupassen. Stellenweise artet es auch in eine reine Animals-As-Leaders-Kopie aus – was zwar wenig kreativ, aber angesichts der Fähigkeiten des musikalischen Vorbilds irgendwo doch ziemlich beeindruckend ist. Longfields Gesang passt ganz hübsch zur Musik, einen Preis gewinnt sie damit aber auch sicher nicht. Ein nettes Album, vor allem für Fans von progressiver Musik und Multiinstrumentalisten-Soloprojekten.

[Simon Bodesheim]


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