Review Me And That Man – New Man, New Songs, Same Shit, Vol. 2

  • Label: Napalm
  • Veröffentlicht: 2021
  • Spielart: Rock , Country, Blues

Adam „Nergal“ Darski ist ein Paradebeispiel für den sprichwörtlichen „Hansdampf in allen Gassen“: Mit Behemoth hat er extremen Metal perfektioniert, zugleich aber – ohne die Musik zu entschärfen – massenkompatibel gemacht und mit einem unermesslichen Angebot an Merchandise erfolgreich monetarisiert. Er leistet bilderbuchhaftes Social-Media-Marketing für sich und seine Bands, inszeniert sich im besten Influenzer-Stil, socializt sich durch die Welt der Metal-Stars und startet mal medienwirksam eine politische Kampagne gegen die katholische Kirche, mal eine Country-Blues-Band. Und weil er so gut vernetzt ist, hat er mittlerweile freie Wahl, wen er sich dafür mit aufs Pferd holt.

Dieser Eindruck enstand bereits bei der hochkarätig besetzten „Gästeliste“ des zweiten Albums von ME AND THAT MAN. Das dritte Album, „New Man, New Songs, Same Shit, Vol. 2“, setzt dahingehend neue Standards. Ob der tragischerweise am Releasetag verstorbene Hank von Hell (Turbonegro) mit seinem wohl letzten musikalischen Beitrag („Black Hearse Cadillac“) oder „Mary Goore“ alias Tobias Forge (Ghost), David Vincent (Vltimas, ex-Morbid Angel) oder Randy Blythe (Lamb Of God), Alissa White-Gluz (Arch Enemy) oder Amalie Bruun (Myrkur), Devin Townsend oder Gary Holt (Exodus) – jeder einzelne der zwölf Songs enthält eine Kollaboration, die andere Bands voll Stolz mit einem extra Sticker auf der Hülle würdigen würden.

Noch ausgeprägter der Vorgänger hat „New Man, New Songs, Same Shit, Vol. 2“ mehr von einem Allstar-Projekt wie „Roadrunner United“ als von einem gewöhnlichen Album. Das hat seinen Reiz, aber auch Nachteile. Der stilistischen Vielfalt steht ein etwas zusammengewürfelt wirkender „Sampler-Charakter“ entgegen: Schon der vielen verschiedenen Sänger wegen hat „New Man, New Songs, Same Shit, Vol. 2“ keine so eindringlich-düstere Atmosphäre wie das Debüt „Songs Of Love And Death“. Auch tritt die bisweilen recht unspektakuläre Musik immer wieder weit in den Hintergrund – was so mancher Sängerin und manchem Sänger allerdings Raum für einen wirklich eindrucklichen Auftritt lässt: Arch-Enemy-Fronterin Alissa White-Gluz etwa, die in „Goodbye“ mit hauchzartem Klargesang und als Rockröhre gleich doppelt beeindruckt, oder Black-Metal-Ikone Olve „Abbath“ Eikemo, der sich in „Losing My Blues“ überraschend gefühlvoll präsentiert.

Fokussiert man sich allein auf die Musik, wird schnell klar, dass Nergal bereits mit „New Man, New Songs, Same Shit, Vol. 1“ zu seinem Stil gefunden zu haben scheint: Unterschied sich dieses Album noch merklich vom puristischeren, retrospektiv aber auch etwas hölzernen Debüt, könnte so ziemlich jeder Song von „Vol. 2“ auch „Vol. 1“ entnommen sein. Meistens geben reduzierte, oft auch bluesig angehauchte Country-Gitarren den Ton an. Drum herum sind mal Folk-Instrumente, mal durch peppige Crunch-Gitarren und schmissige Soli arrangiert. Das klingt so stimmig wie staubig – im Desert-Rock-Sinne, aber eben auch im Sinne von „angestaubt“: Wirklich originell oder gar originär ist daran nämlich nichts. Ein mutiges Genre-Mashup wie den Black-Metal-Blues-Rock-Mix „Confession“ auf dem Vorgänger sucht man hier etwa vergebens.

Mit „New Man, New Songs, Same Shit, Vol. 2“ schreibt Nergal die Geschichte von ME AND THAT MAN konsequent weiter. Dabei erweist er sich einmal mehr als talentierter Musiker – vor allem aber als der geborene Networker. Spätestens mit diesem dritten Album ist ME AND THAT MAN nämlich kein Soloprojekt im klassischen Sinne mehr, sondern vielmehr zur Plattform für Metal-Stars mit einem Faible für Americana-/Country-Blues avanciert: Die Musik fällt diesmal eher gefällig denn spektakulär aus, und hätte ohne die versammelte Prominenz – angefangen bei Nergal selbst – wohl nur wenig Beachtung gefunden. Die rundum gelungenen, mitunter sogar wirklich grandiosen Gastbeiträge aus allen Ecken der Metal-Szene machen „New Man, New Songs, Same Shit, Vol. 2“ dennoch zu einem kurzweiligen Album, das man als aufgeschlossener Metalhead zumindest mal gehört haben sollte.

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Wertung: 8 / 10

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