CD-Review: Behemoth - I Loved You At Your Darkest

Besetzung

Nergal – Gesang, Gitarre
Orion – Bass
Inferno – Schlagzeug, Percussion

Tracklist

01. Solve
02. Wolves Ov Siberia
03. God = Dog
04. Ecclesia Diabolica Catholica
05. Bartzabel
06. If Crucifixion Was Not Enough …
07. Angelvs XIII
08. Sabbath Mater
09. Havohej Pantocrator
10. Rom 5:8
11. We Are the Next 1000 Years
12. Coagvla


Der BEHEMOTH-Fan als solcher war lange ein verwöhnter Mensch. Man muss gar nicht bis in die graue Black-Metal-Vorzeit der Band zurückblicken, um sich an die produktiven Jahre der Polen zu erinnern: Die drei Jahre zwischen „Demigod“ und „The Apostasy“ waren schon viel, nachdem BEHEMOTH zuvor (mindestens) in jedem geraden Jahrgang mit einem neuen Album um die Ecke gekommen waren. Diese Zeiten sind vorbei: Viereinhalb Jahre brauchten Nergal und Konsorten für „The Satanist“, weitere viereinhalb Jahre dessen Nachfolger, „I Loved You At Your Darkest“.

Wer das düstere, in sich geschlossene Meisterwerk, das „The Satanist“ war, noch im Ohr hat, fragt nicht weiter, warum. Entsprechend leitet sich nicht nur aus dem übermächtigen Vorgänger, sondern auch aus der neuerlich langen Wartezeit eine enorme Erwartungshaltung ab – zumal BEHEMOTH schließlich noch nie enttäuscht haben.

Die Zeichen stehen gut: Bereits vor dem ersten Ton gilt es, das düstere, klassische und doch moderne Artwork zu loben. Für sich genommen, aber auch als Teil des perfekt zu Ende gedachten visuellen Bandkonzeptes, das BEHEMOTH auf ihrem Weg zur aktuell wohl angesagtesten Extreme-Metal-Band mindestens so weitergeholfen hat wie ihre musikalische Vision. Diese ist auch auf „I Loved You At Your Darkest“ klar erkennbar: War das Ziel des Vorgängers noch maximale Kohärenz, eine dichte, von Anfang bis Ende aufrecht erhaltene Düsternis, versuchen sich BEHEMOTH nun an einem Mix aus majestätischer Epik und wilder Raserei.

Einen ersten Hinweis darauf gibt bereits das Intro „Solve“, in dem ein aufgebrachter Kinderchor und wuchtige Akkorde das Album einläuten. Auch im weiteren Albumverlauf prägen Chöre als fast in jedem Song wiederkehrendes Element die Atmosphäre. Ob es aber wirklich in jedem zweiten Song eines Chors bedurft hätte, sei jedoch dahingestellt – zumal der Effekt mal besser, mal schlechter funktioniert. Während der Opener „Wolves Ov Siberia“ mit seiner Mixtur aus „The Apostasy“-Flair, Furor und Pathos in unter drei Minuten alles vereint, was einen guten BEHEMOTH-Song ausmacht, wirken die Chöre spätestens in „Sabbath Mater“ etwas abgenutzt.

Leider gilt das auch für den generellen Stil des Albums: Löblich, dass BEHEMOTH einmal mehr einen dezenten Kurswechsel wagen. Die gewählte Richtung aus „eingängiger“, „epischer“ und „trotzdem bandtypisch“ sorgt dafür, dass „I Love You At Your Darkest“ zwar keinen Fan unglücklich macht, über seine 47 Minuten hinweg aber auch nicht durchgehend spannend bleibt.

Zwar spielen BEHEMOTH zwischendurch ziemlich lässig auf, etwa mit ruhigen Gitarren und lockeren Arrangements, in denen den Gitarrensoli ganz ohne begleitende Riffs viel Platz eingeräumt wird („Bartzabel“, „Sabbat Mater“). Vieles von dem, was man gerade in der zweiten Hälfte von „I Loved You At Your Darkest“ zu hören bekommt, ist jedoch BEHEMOTH-Standardkost: Immer noch Death Metal auf höchstem Niveau, für jeden, der die vorigen Alben kennt, aber keine große Überraschung.

Am Ende hinterlässt „I Loved You At Your Darkest“ gemischte Gefühle. Während die gesamte Umsetzung, von Infernos Weltklasse-Drumming bis hin zum schlichtweg perfekten Sound über jeden Zweifel erhaben ist, will zu der Musik im Kopf kein so schlüssiges Bild entstehen wie bei dem maximal düsteren Vorgänger. Mal brutal, mal fast kitschig, wirkt es mitunter, als wollten BEHEMOTH mit „I Loved You At Your Darkest“ den Spagat wagen, sich einer breiteren Hörerschaft zu öffnen, ohne allzu viel ihrer Härte einzubüßen. Das Resultat ist das vielleicht vielseitigste BEHEMOTH-Album seit „Thelema.6“ – aber auch das zerfahrenste.

Bewertung: 8 / 10

Geschrieben am

1 Kommentar zu “Behemoth – I Loved You At Your Darkest”

Antworten

Your email address will not be published. Required fields are marked *

You may use these HTML tags and attributes: