Und sonst so: Und sonst so … September 2019


Metal ist eines der der lebendigsten Genres, die es gibt. In der Folge ist es bei der mittlerweile enormen Zahl an Veröffentlichungen schier unmöglich geworden, sämtliche Alben in ausführlichen Reviews vorzustellen. In unserer Rubrik „Und sonst so …“ kommen deswegen in Form von Kurz-Kritiken ein paar der Alben zur Sprache, die trotz Zeitmangel und Überangebot nicht unter den Teppich fallen sollten.


Iggy Pop - Free

Genre: Rock

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Mit „Free“ veröffentlicht IGGY POP sein 18. Studioalbum, welches schon im wabernden Spoken-Word-Intro verrät, dass die Grenzen der Rockmusik hier stark ausgelotet werden. In den rund 33 Minuten werden vom ehemaligen The-Stooges-Frontmann Free Jazz („Loves Missing“), Trip-Hop („Sonali“) oder Ambient („Page“) mit seiner düster-markanten Stimme verwoben. Das Saxophon ist durchgehend präsent, teilweise melodiegebend oder nur für ein kurzes Solo, verstärkt aber jeweils den wehmütigen Charakter, der allen Titeln innewohnt. „We Are The People“ basiert auf einem Text von Lou Reed aus dem Jahr 1970, der erstmals 2018 veröffentlicht wurde. „Free“ ist ein spannendes und künstlerisches Werk, das durch seine experimentellen Ansätze und den schwermütigen Charakter aber nicht immer leicht greifbar ist.

[Christian Denner]


Alice Cooper - The Breadcrumbs (EP)

Genre: Hard Rock

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Das Warten auf ein neues Album verkürzt ALICE COOPER mit der sechs Songs starken EP „The Breadcrumbs“, die eine Hommage an seine Heimatstadt Detroit darstellt und weltweit auf 20.000 Exemplare limitiert ist. Eröffnet wird die EP von einer neuen Version des ursprünglich 2003 auf „The Eyes Of Alice Cooper“ erschienenen „Detroit City“. Es ist deutlich hörbar, dass sich Cooper vom Detroit-Sound der 1970er inspirieren ließ: Egal ob beim brandneuen Titel „Go Man Go“ oder den Cover-Versionen von Bob Seger („East Side Story“), Suzi Quatro („Your Mama Won’t Like Me“), Mitch Ryder („Devil With A Blue Dress On“) und MC5 („Sister Anne“). Bei der Auswahl der gecoverten Künstler wurden relevante Größen der Detroiter Rockszene beachtet, was den Hommage-Charakter nochmals unterstreicht. Aber auch musikalisch ist „The Breadcrumbs“ ein interessantes Kleinod, das ALICE COOPER mit 71 Jahren zurück zu seinen Wurzeln führt.

[Christian Denner]


Prince - The VERSACE Experience (Prelude 2 Gold)

Genre: Entmetallisiert

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PRINCEs „The VERSACE Experience (Prelude 2 Gold)“ wurde 1995 als Promo-Kassette an die Besucher der Versace-Laufsteg-Show verteilt und erscheint jetzt erstmals auf CD und Vinyl. Das Tape wird bei Discogs als die am teuersten gehandelte MC aller Zeiten gehandelt und wurde 2016 für 3.640,- € verkauft. Neben Remixen von späteren Fan-Favoriten wie „Gold“, „Eye Hate U“ oder „P. Control“ enthält das Release seltenes, unveröffentlichtes Material von The New Power Generation oder The NPG Orchestra. Hauptsächlich vom Funk geprägt, enthält die Veröffentlichung auch Einflüsse aus Rock („Shhh“) oder Jazz-Fusion („Segue“). Auch heute ist „The VERSACE Experience (Prelude 2 Gold)“ vor allem als Schmankerl für PRINCE-Enthusiasten zu betrachten, da die meisten Songs nur in kurzen Ausschnitten (hier „X-cerpt“ oder „Edit“ benannt) vorkommen und sich aufgrund dessen nicht voll entfalten können. Die wiederholt eingestreuten „The Versace Experience“-Vocal-Samples wirken eher störend. Durch die fließenden Übergänge entsteht zwar ein schlüssiger Mixtape-Charakter, der aber die Mankos nicht wettmachen kann.

[Christian Denner]


The 69 Eyes - West End

Genre: Gothic Rock / Metal

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Dieses Jahr kann die finnische Band THE 69 EYES ihr 30-jähriges Jubiläum feiern. Pünktlich zu den Feierlichkeiten legen sie ihren Fans das 12. Studioalbum „West End“ vor, das über Nuclear Blast erschienen ist und von passenderweise von schwarzen Luftballons geziert wird. Genauso dunkel präsentieren sich die elf neuen Songs ebenfalls und obwohl große Hits nicht zu finden sind, überzeugen sie mit ihrer Mischung aus Gothic, Hard und Glam Rock auf voller Länge. Vor allem Frontmann Jyrki weiß sein düsteres Organ geschickt einzusetzen, aber auch die Gitarrenmelodien transportieren eine bittersüße Melancholie, die gefällt. Vor allem der Wechsel zwischen eingängigen Rockern („27 & Done“, „Burn Witch Burn“) und schleppend-hyptnotischen Songs („Change“, „Death & Desire“) verleiht „West End“ genug Abwechslung. Der Opener „Two Horns Up“ sei ebenfalls erwähnt, bekommen THE 69 EYES hier doch lobenswerte Unterstützung von Dani Filth (Cradle Of Filth, Devilment).

[Christian Denner]


David Hasselhoff - Open Your Eyes

Genre: Rock

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Sieben Jahre nach seinem letzten Studioalbum meldet sich DAVID HASSELHOFF mit „Open Your Eyes“ zurück und ja, es ist tatsächlich ein über weite Teile rockiger Longplayer geworden. Unterstrichen wird das von namhaften Gastmusikern wie Ministry, James Williamson (The Stooges), Todd Rundgren, Elliot Easton (The Cars), Tracii Guns oder A Flock Of Seagulls. Die Songauswahl konzentriert sich einerseits auf Klassiker („Here I Go Again“, „Heroes“, „Sugar, Sugar“), andererseits auf hierzulande unbekanntere Kompositionen („Rhinestone Cowboy“, „Head On“, „Jump In My Car“). Von den Post-Punk- über die Rock-Songs entwickelt das Album dann doch einige poppige Momente, wie „If You Could Read My Mind“ oder Udo Jürgens‘ „Mit 66 Jahren“, das weitgehend ins Englische übertragen wurde. Obwohl oder gerade weil auch die Stimme des 67-jährigen „The Hoff“ mittlerweile in die Jahre gekommen ist, versprühen vor allem die zu Beginn stehenden Songs eine intensive Atmosphäre. Zum Schluss fällt das Album mit Industrial light („Sweet Caroline“) und Swing („That’s Life“) qualitativ zwar ab, bietet aber insgesamt einige interessante Momente.

[Christian Denner]


Status Quo - Backbone

Genre: Hard Rock

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Bereits 50 Jahre rocken sich STATUS QUO unter ihrem aktuellen Namen durch die Musiklandschaft, bezieht man ihre Vorgänger mit ein sind es sogar 57. Aus den Anfangstagen ist einzig Francis Rossi geblieben, nachdem Rick Parfitt 2016 verstorben ist. So ist „Backbone“ nicht nur das erste Album ohne ihn, sondern auch das bereits 33. Studiorelease der Briten. Wo man hier definitiv seinen Respekt aussprechen kann, ist die musikalische Seite nicht frei von auffälligen Mängeln. Vom klassischen Rock entfernt man sich freilich nicht, gerade die ersten fünf Songs wirken aber lieblos und bauen keinen Druck auf. Danach wird es qualitativ besser und auch knackiger, hier seien exemplarisch der Titeltrack oder „Get Out Of My Head“ genannt. Wäre der Einstieg besser gelungen, dann wäre „Backbone“ ein angenehm überraschendes Release geworden. So reicht es leider nur für ein nettes Classic-Rock-Album, dessen elf Songs qualitativ deutlichen Schwankungen unterliegen.

[Christian Denner]


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