Review Within Temptation – The Unforgiving

Nur vier Jahre waren seit „The Heart Of Everything“ vergangen, als WITHIN TEMPTATION 2011 „The Unforgiving“ vorlegten. Derweil könnte man meinen, zwischen beiden Alben läge eine ganze Generation. Nicht nur, aber auch aufgrund der Covergestaltung.

Wer die fünfte Scheibe der Niederländer zufällig in die Hände bekommt, könnte glauben, es handle sich um den Soundtrack zu einem Computerspiel. Tatsächlich liegt man damit nicht ganz falsch, denn zum Konzept von „The Unforgiving“ gehören zwei Kurzfilme mit einer Kombination aus Musik und Story sowie ein Comicbuch. Wenn man ehrlich ist, nicht unbedingt ein Konzept, das man von den Symphonic-Metallern WITHIN TEMPTATION erwartet hätte – und so ganz will der Stil des Layouts nicht zu dem Bild passen, das man von der Band bislang im Kopf hatte: Die eher durchschnittliche Malerei einer Actionheldin und mehrerer eingearbeiteter Szenen könnte stilistisch kaum weiter vom zwar kitschigen, aber stimmungsvollen Artwork des Vorgängers entfernt sein.

Tatsächlich hat sich aber auch die Musik der Band gewandelt: Statt geschmeidiger Symphonic-Rock-Balladen wie in der Anfangszeit oder Symphonic-Metal-Bombast wie auf dem Vorgänger gehen WITHIN TEMPTATION diesmal regelrecht poppig zu Werke. Schon der eigentliche Opener („Shot In The Dark“) ist mit seinem klaren Fokus auf Sharon den Adels Gesang eine absolut massentaugliche Nummer. Dasselbe gilt für die stärksten Songs des Albums: die Ballade „Fire And Ice“, das peppige „Sinéad“ und den pompösen Album-Ohrwurm „Faster“, der sich am besten als orchestral angefetteter Radiorock beschreiben lässt. An dieser generellen Ausrichtung ändern auch die härteren Riffs nichts, so diese zum Einsatz kommen: im etwas flotteren „In The Middle Of The Night“ etwa oder im düsteren „Murder“.

„Poppig“, „massentauglich“, „Radiorock“ … das sind Begriffe, die zumindest auf einer Metal-Webseite meist negativ konnotiert verwendet werden. Dieser Eindruck soll hier nicht entstehen. Wenngleich der Stilwechsel, den WITHIN TEMPTATION einmal mehr durchgemacht haben, diesmal weit weg von allem führt, was „Metal“ ist, kann man dem Album seine Qualitäten nicht absprechen. Allerdings nur losgekoppelt von den Erwartungen, die aus den Vorgängern resultieren, und nicht ohne Abstriche: Dass sich auch der eine oder andere Filler (z. B. „Where Is The Edge“, „Lost“) eingeschlichen hat, ist bei 55 Minuten Spielzeit nicht weiter überraschend – und auch die Tatsache, dass „The Unforgiving“ die Ohren verklebt, wie man es als Metalhead sonst nur von „Guilty-Pleasure-Playlists“ kennt, ist nicht abzustreiten.

Dass WITHIN TEMPTATION in dieser Schaffensperiode nicht beim Eurovision Song Contest angetreten sind, ist fast ein Wunder – schließlich hatten das 2010 sogar die aus dem Black Metal kommenden Keep Of Kalessin (für ihr Heimatland Norwegen) versucht. Anders als bei den am Ende eben doch noch recht extremen Skandinaviern hätten WITHIN TEMPTATION vielleicht sogar Chancen gehabt, funktioniert der hier gebotene Mix aus symphonischen und betont modernen Elementen doch mitunter wirklich gut. Und Sharon den Adel steckt mit ihrer Stimme schlussendlich auch jedes Pop-Sternchen in die Tasche.

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Wertung: 7 / 10

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