Review Kreator – Krushers Of The World

  • Label: Nuclear Blast
  • Veröffentlicht: 2026
  • Spielart: Thrash Metal

Mit einer Kino-Dokumentation („Hate & Hope“) und Mille Petrozzas Autobiografie „Your Heaven, My Hell“ haben KREATOR eben erst umfassend ihr 40. Bandjubiläum zelebriert. Nun startet das Thrash-Urgestein mit Album Nummer 16 ganz offiziell in die fünfte Dekade – und bei allem, was sich an dem „Krushers Of The World“ betitelten Werk kritisieren lässt, muss man eines vorneweg anerkennen: Zum „alten Eisen“ gehören KREATOR noch lange nicht.

Im Gegenteil, denn der Einstieg mit „Seven Serpents“ stimmt eigentlich sehr positiv. Aggressives Uptempo-Riffing, ein paar Midtempo-Passagen und ein schneidiger Break sowie kraftvoller Gesang und ein hübsches Solo machen den Opener zu einem astreinen KREATOR-Song. Nach 3:30 Minuten hätte dieser allerdings auch gut sein Ende finden dürfen. Stattdessen ziehen KREATOR ihn in die Länge und kleistern das angehängte Drittel obendrein mit Chören voll.

Damit ist die Problematik von „Krushers Of The World“ veranschaulicht: Was KREATOR mit den durchweg fetzigen Riffs aufbauen, reißen sie mit den Schunkelmelodien und ­-refrains ziemlich verlässlich wieder ein. Zwar sind KREATOR nicht mehr auf der Heavy-Thrash-Schiene von „Gods Of Violence“ unterwegs, doch klingen sie melodischer denn je. Als krassestes Beispiel sei „Satanic Anarchy“ genannt, das ebenfalls rabiat anfängt, um nach nicht mal einer Minute mit einer melodischen Gesangslinie alle Aggression in Zuckerguss zu ertränken. Aber auch „Psychotic Imperator“ gegen Ende des Albums wäre aus Sicht des Genre-Puristen gut ohne den Chor ausgekommen. Und dann ist da natürlich noch der Titeltrack, der nicht nur vom Titel und Refrain her, sondern auch in Sachen platter Eingängigkeit an (neuere) AMON AMARTH denken lässt.

Textlich greift Mille für anspruchsvolle Themen wie Social-Media-Konsum und Weltlage in „guter“ Tradition (wir erinnern uns: „Satan Is Real“, „Hate über alles“) abermals tief in die Metal-Lyrics-Klischee-Kiste. Es lebe der „KREATOR-Kringe“ (mit Krusher-K!). Und auch das Artwork wirft Fragen auf – allen voran die, ob der so renommierte wie talentierte Künstler Zbigniew M. Bielak eventuell den expliziten Auftrag hatte, ein Bild zu malen, das in allen Details so grotesk falsch aussieht, wie man es eigentlich nur von KI-generierten „Kunstwerken“ kennt. Aber von den Details abgesehen bleibt auch ganz generell die Frage unbeantwortet, wohin die Band mit dieser Bildsprache will: Mit KREATOR, wie man sie von früher kennt, resoniert dieses Bild genauso wenig wie mit KREATOR, wie sie 2026 klingen.

Rundum gelungen ist dafür der Gastbeitrag von Britta Görtz in „Tränenpalast“. Eigentlich – denn von der Musik losgelöst haftet dem Feature leider der Beigeschmack eines Marketing-Stunts seitens KREATOR an: Für das Gesangsduett hätte es aus musikalischer/historischer Sicht naheliegendere Kandidaten gegeben. Strategisch ist es aber natürlich ein geschickter Zug, die Ausläufer der Welle der (absolut berechtigten) Euphorie um das Gastspiel der HIRAES-Fronterin bei HEAVEN SHALL BURN zu reiten und etwas Extra-Aufmerksamkeit für Single und Album abzugreifen.

Nach ihrem Ausflug in den Heavy-Thrash und dem stilistisch etwas irrlichternden „Hate über alles“ zelebrieren KREATOR auf „Krushers Of The World“ diesmal das „Melo“ in Melo-Thrash. Über ein an sich hartes Grundgerüst legen Mille und Co. so viel Melodik, dass das Ergebnis tatsächlich auch Leuten gefallen könnte, die keinen Thrash mögen. Produzent Jens Bogren, zu dem KREATOR nach einem „Seitensprung“ mit Arthur Rizk nun zurückgekehrt sind, die Schuld an dieser Wandlung zu geben, wäre natürlich zu einfach. Auffällig ist es aber doch, dass KREATOR in Sachen Eingängigkeit an die ebenfalls von Bogren produzierten Alben „Phantom Antichrist“ und „Gods Of Violence“ anknüpfen. Zumal Bogren, der für sein starkes Eingreifen in Songs bekannt ist, auch Bands wie AMORPHIS und ARCH ENEMY in diese Richtung dirigiert hatte.

Die Marketing-Abteilung von Nuclear Blast dürfte mit dem Resultat jedenfalls happy sein: „Krushers Of The World“ ist melodisch genug, um eine breitere Masse als die Thrash-Metal-Nische anzusprechen, aber (zumindest zwischendurch) hart und traditionell genug, um auch die Genre-Purist:innen nicht vor den Kopf zu stoßen. Nur wer das Merch mit diesem Cover-Motiv kaufen soll, fragt man sich vermutlich auch dort.

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Wertung: 7.5 / 10

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5 Kommentare zu “Kreator – Krushers Of The World

  1. Schade, denn die unlängst beendete Lektüre von Milles Buch machte Bock auf das neue Album.
    Als einer, den das melodiöse Gedudel nach teils messerscharfen Riffs auf den Alben der jüngeren Vergangenheit stets nervte und die vorab zu sehenden Songs auf yt ließen weiteres befürchten, bin ich nach dem oben gelesenen ebenfalls „raus“.
    Umso bedauerlicher, dass Sodom pausieren.
    Zu den zum Vergleich herangezogenen Amon Amarth möchte ich an Unleashed erinnern – wahrscheinlich der gleiche Unterschied wie inzwischen bei o.g. Teutonenthrashern.

    1. Du beschreibst ziemlich genau, wie es mir ergangen ist … auch ich war nach dem Buch wieder voll drin, und vom Album dann eben doch nur so mittelmäßig begeistert. Persönlich finde ich, dass Destruction nach wie vor eine mehr als solide Alternative sind. Im Death Metal gibt es natürlich mannigfaltige Alternativen zu Amon Amarth, wobei mir persönlich Unleashed immer etwas zu stumpf waren.

  2. Kollegen von euch haben es ja mit „Wo geht es bitte zum Mainstream?“ im Titel gut eingefangen. Tut nicht weh, soll allen (oder möglichst vielen) gefallen und Nuclear Blast freut sich über den kleinen, aber feinen Reibach. Man könnte sich an Endorama erinnert fühlen (ich liebe das Album und hab mir die Remaster-LP gegönnt!), aber das Album war extremer in seiner Stiländerung und damit mit mehr Ecken und Kanten. Und das hat nicht jedem gefallen, was ich irgendwie in der Retrospektive sehr sympathisch finde. Diese Amon Amarthisierung gefällt mir dagegen so gar nicht, weswegen ich dann doch lieber zu den ersten Paar Alben greife…oder eben zu Sodom, da fühle ich mich musikalisch wesentlich wohler damit.

    Es freut mich einerseits für Kreator, dass sie so relevant sind wie nie zuvor, ich bin da aber raus.

    1. Ich sag mal: Besser als ein Experiment wie Renewal, aber ob es dann wirklich gleich der auf kommerziellen Erfolg getrimmte Mainstream-Thrash sein muss, steht auf einem anderen Blatt. Die kreative Kraft, die Kreator über viele Jahre vorangeschoben hat, höre ich hier jedenfalls weniger raus als den Wunsch, in immer größeren Hallen zu spielen. Der natürlich nicht vollends unnachvollziehbar ist, immerhin ist es für die Herren auch ein Job, und wer will nicht Erfolg haben. Aber (wie auch bei Amon Amarth) kommt das der Kunst eben nur in den seltensten Fällen zugute.

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