Was war 1986 für ein Jahr im Thrash Metal: Eben erst haben METALLICA mit „Master Of Puppets“ das vielleicht wegweisendste Album des Genres herausgebracht, später im Jahr sollten SLAYER eben das mit „Reign In Blood“ in Frage stellen. Dazwischen veröffentlichen KREATOR aus dem beschaulichen Essen ihr zweites Album „Pleasure To Kill“ – und setzen damit den Grundstein des deutschen Thrash Metal.
Denn durch dieses Album setzten sich KREATOR nicht nur an die Spitze der deutschen Szene – SODOM debütierten erst wenige Monate später mit „Obsessed By Cruelty“, TANKARD mit „Zombie Attack“ und DESTRUCTION legten im Sommer ihr zweites Album „Eternal Devastation“ nach –, sondern sie setzten ein Zeichen, das auch in Amerika wahrgenommen wurde: (Thrash) Metal war kein rein amerikanisches Ding (mehr)!
Dabei ist „Pleasure To Kill“ durchaus noch anzuhören, dass man in Deutschland zu der Zeit mit extremem Metal noch nicht allzu viel Erfahrung hatte. Das betrifft allerdings eher die technische Seite: Mit Harris Johns hatten KREATOR einen der erfahreneren Produzenten abbekommen – dessen Expertise beschränkte sich damals allerdings noch auf Punk (SLIME) und Metal-Bands wie die frühen GRAVE DIGGER und HELLOWEEN – nicht wirklich extreme Musik also. Mit dem Gewittersturm aus Zerrgitarren und wild geprügeltem Schlagzeug – beides mit viel Energie, aber eben auch nicht astrein eingespielt – stieß Johns entsprechend an seine Grenzen. Wenngleich man dazusagen muss, dass auch SLAYER erst durch Rick Rubin wirklich gut hörbar wurden. Anders als METALLICA, deren „Ride The Lightning“ bereits mit einem zeitlosen Sound gesegnet wurde.
Wie viel hier noch im Entstehen war, zeigen die Hintergründe des Albums: Ihr damaliger Lead-Gitarrist war spontan nicht mit ins Studio gefahren, Bassist Rob konnte seine Spuren nicht und einen Sänger hatten KREATOR auch noch nicht. Schlussendlich spielte also Mille Petrozza alle Saiteninstrumente ein und den Gesang teilte er sich 5:3 mit Drummer Ventor. In Sachen Stimmung probierten sich KREATOR am etwas tieferen D-Tuning, was dem Album etwas Death-Metal-Vibe im Stile der frühen SEPULTURA-Alben verlieh (die es – das sei hier hervorgehoben – noch gar nicht gab: Die Brasilianer hatten damals lediglich ein Split-Demo-Tape mit OVERDOSE am Start). Und textlich ließ sich Mille kurzerhand vom morbiden Film-Klassiker „Faces Of Death“ (1978) inspirieren – auch das eher „typisch Death Metal“ (den es – auch das sei hier nochmal hervorgehoben – 1986 eigentlich noch gar nicht gab: „Seven Churches“ von POSSESSED war noch eher thrashig und DEATH hatten zwar eine Unzahl an Rehearsal-Tapes, aber noch kein Album fertig!).
Anders als bei den eingangs erwähnten Meilensteinen „Master Of Puppets“ und „Reign In Blood“ fehlt es „Pleasure To Kill“ noch an der Konsistenz – interessanterweise zwischen den beiden Seiten der Platte: So startet das Album mit „Ripping Corpse“ und „Death Of Your Savior“ furios, der Titeltrack mit dem markanten Tom-Roll-Intro (markant auch, weil KREATOR die Mikrophone für die Albumaufnahme in den Toms platziert hatten) begeistert mit schnittigem Riffing und in „Riot Of Violence“ nehmen KREATOR geschickt auch mal Tempo raus. Nicht ohne Grund findet sich dieser Track immer wieder (zuletzt erst 2025) im Live-Set der Band. Bis zum finalen „Under The Guillotine“ passiert dann aber nicht mehr wirklich viel Hörenswertes: Insbesondere „Carrion“ und „Command Of The Blade“ sind ziemlich gesichtslose Proto-Thrash-Nummern, die völlig zu Recht in der Versenkung verschwunden sind. Aber nicht nur in Sachen Songwriting, sondern auch beim Sound ist hier interessanterweise ein drastischer Qualitätsabfall festzustellen.
Zwar ist an dem Werk retrospektiv gesehen längst nicht alles gut – dass wir heute, 40 Jahre später, aber überhaupt noch darüber sprechen, zeigt die Bedeutung dieses Albums: „Pleasure To Kill“ war ein Meilenstein – für KREATOR, die mit diesem Album erstmalig auf USA-Tour gehen konnten und mit dem Cover-Motiv ihr bis heute bandprägendes Maskottchen bekamen, aber auch für den Thrash Metal ganz allgemein. Zwar wäre „Pleasure To Kill“, reduziert auf die A-Seite, eine deutlich bessere EP geworden, als es mit acht Songs (plus Intro) als Album geworden ist – angesichts der Qualität, die CAVALERA durch ihre Re-Makes von „Bestial Devastation“, „Morbid Visions“ und „Schizophrenia“ aus ihrer Ur-Suppe herausgeholt haben, wäre ein ähnlich liebevolles Remake dieses Albums aber ein spannender Ansatz. Mr. Petrozza, übernehmen Sie!
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Wertung: 7.5 / 10



Für mich als Ossi ein absoluter Höhepunkt in 1986.🤘🏻100 % Nackenschmerzen🤘🏻
Verdammt lang…Verdammt lang her!