CD-Review: Ministry - AmeriKKKant

Besetzung

Al Jourgensen – Gesang, div. Instrumente
Sinhue Quirin – Gitarre
Monte Pittman – Gitarre
Tony Campos – Bass
Thomas Holtgreve – Schlagzeug
John Bechdel – Keyboard

Tracklist

01. I Know Words
02. Twilight Zone
03. Victims Of A Clown
04. TV 5/4 Chan
05. We’re Tired Of It
06. Wargasm
07. Antifa
08. Game Over
09. AmeriKKKa


Die meisten Bands achten peinlich genau darauf, nur ja nicht als politisch zu gelten: Musik und Politik zu vermischen, wie es dann immer so schön heißt, könnte sich ja negativ auf den Ruf der Band und damit auf Verkaufszahlen und Karriere auswirken. Al Jourgensen von MINISTRY sieht das bekanntermaßen anders. Politik war und ist schon immer das Kernthema der Industrial-Legende mit Punk-Wurzeln – unvergessen, wie MINISTRY seinerzeit in „The Last Sucker“ mit Präsident Bush abrechneten. Dass der Präsident der Vereinigten Staaten elf Jahre später Donald Trump heißen und alles noch viel schlimmer kommen sollte, war damals aber auch noch nicht abzusehen.

Während Al Jourgensen während Barack Obamas Präsidentschaft mit „Relapse“ und „From Beer To Eternity“ zwei thematisch weniger politik-fokussierte Werke schrieb und mehrfach (wohl aus nicht zuletzt aus politischer Langeweile) über das Ende von MINISTRY sinnierte, war nach der Wahl von Donald Trump an Aufhören natürlich nicht mehr zu denken: Mit Verkündigung des Wahlergebnisses dürfte sich Jourgensen an die Arbeit gemacht haben. Das Resultat: „AmeriKKKant“ – eine Abrechnung mit dem trumpschen Amerika und nicht, wie dereinst 2007, mit dem Präsidenten.

War „The Last Sucker“ ein reines (und deswegen bisweilen etwas plattes) Anti-Bush-Werk, hält Jourgensen auf „AmeriKKKant“ allen Amerikanern den Spiegel vor. Statt sich nur auf den ProtUS einzuschießen, zeigt Mr. Jourgensen auf, was in Amerika alles schief läuft: Sexueller Missbrauch und die Missachtung von Frauen in unserer Gesellschaft, der schwindende Respekt vor der US-Verfassung, die wachsende Akzeptanz für unfundierte Meinungen, die harte Fakten ersetzen sind hier ebenso Thema wie der Verfall des Gefühls für Moral, Ethik und Verantwortung gegenüber dem Land und ihren Wählern seitens der politischen Führungselite.

Musikalisch verpackt Al Jourgensen das alles in eine Sound- und Samplekollage, die die Entwicklung der letzten Alben konsequent fortführt: Aggressives High-Speed-Geballer, wie es den Sound von „The Last Sucker“ oder „Relapse“ geprägt hatte, sucht man hier über weite Strecken ebenso vergebens wie das punkige Riffing der Anfangsjahre. Vielmehr dominieren aus kiloweise übereinandergestapelten Samples gebastelte Mindtempo-Nummern, die es teilweise auf beachtliche Songlängen von über acht Minuten bringen. Auf fetzige Songs, echte Hits, Ohrwürmer gar, wartet man über weite Strecken jedoch vergeblich.

Da MINISTRY mit „AmeriKKKant“ den Fokus jedoch mehr denn je darauf gesetzt haben, ein in sich kohärentes Album statt einzelner Songs zu schreiben, ist das – wenn auch ungewohnt – nicht per se schlecht: Fließend leitet Al Jourgensen beispielsweise von düsterem Midtempo („Victims Of A Clown“) über ein aggressives Zwischenspiel „TV 5-4 Chan“ in den aus dem sonstigen Albumschema ausbrechenden, knackigen Hassbrocken „We’re Tired Of It“ über. Auf wirklich experimentelle Einsprengsel (wie die Reggae-Passage auf „From Beer To Eternity“) darf man diesmal zwar nicht hoffen. Dafür musiziert Al Jourgensen unbeschwert wie selten zuvor, wie sich am besten anhand des finalen Titeltracks „AmeriKKKant“ darlegen lässt: Völlig losgelöst von allen Zwängen und Erwartungen spielen MINISTRY in diesem ebenfalls über acht Minuten langen Stück auf – mit Beats, Fanfaren und lässigen Gitarrensoli.

„AmeriKKKant“ ist sicher nicht das brutalste und wohl auch nicht das abwechslungsreichste der nunmehr 14 MINISTRY-Alben. Dafür liefert Uncle Al, wie sie ihn liebevoll nennen, diesmal das vom Artwork über die Texte bis hin zur Musik ohne Frage bislang düsterste Werk seiner Karriere. „Now that the world is falling apart, I finally have my shit together“ [„Jetzt, wo die Welt auseinanderbricht, habe ich meinen Scheiß endlich beisammen“ A. d. Red.] gab Al Jourgensen unlängst in einem Interview zu Protokoll. Und so schade das für die Welt sein mag – so gut ist es (zumindest in musikalischer Hinsicht) für alle MINISTRY-Fans.

Bewertung: 8.5 / 10

Geschrieben am

2 Kommentare zu “Ministry – AmeriKKKant”

  1. AnimositisominA

    Ministry has no roots in Punk music at all. Listen to „With Sympathy“ and get your facts straight. Btw bothers me u only relate to the „Bush Trilogy“ – do u know about the existence of Psalm 69, Filth Pig etc?

    1. Moritz Grütz Post Author

      Of course they never were a „punk-band“, but let me cite from punkdatabase.com:
      „Ministry started in Chicago in 1981 and was a critical band in the dawning of industrial rock. Their sound fit in with the unique Chicago punk sound in the 80s with bands like Big Black, The Effigies and Naked Raygun which essentially aided in the creation of a brand new genre (Industrial, Industrial Punk, etc.), long before the likes of copycat producers like Trent Reznor, Peter Steele and even Rob Zombie, but around the same time that Industrial and dance music was seething out of Detroit.“

      In this review, indeed, I only refer to the last albums, since I think, the new album has more in common with those then with „FilthPig“, wouldn’t you agree here? So, why should I mention „Psalm69“ here? If you want to read something about that album, I can recommend you my review about this one:
      >> https://www.metal1.info/metal-reviews/ministry-psalm-69-the-way-to-succeed-and-the-way-to-suck-eggs/

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