Der Jahresrückblick 2021 von Moritz Grütz

Meine Top-5 der Metal-Alben 2021

  1. Ancient Wisdeom – A Celebration In Honor Of Death
  2. Asphyx – Necroceros
  3. At The Gates – The Nightmare Of Being
  4. Suffocate For Fuck Sake – Fyra
  5. Exodus – Persona Non Grata

Zudem kamen ausgerechnet im fast konzertfreien Jahr 2021 viele wirklich gute Live-Alben heraus – genannt seien hier LINDEMANN („Live In Moscow“), MOTÖRHEAD („Louder Than Noise… Live In Berlin“), AMORPHIS (Live At Helsinki Ice Hall) und BEHEMOTH („In Absentia Dei“, Streamshow!).

Schlechtestes Metal-Album des Jahres

Ziemlich schwach war die Resteverwertung von Richard Z. Kruspe für „Persistence Of Memory“ (EMIGRATE), ansonsten habe ich auch 2021 versucht, mich von schlechten Alben wie der neuen Ghost Bath (die nach den wenigen Takten, die ich gehört habe, zu urteilen gar furchtbar ist) fernzuhalten.

Richtig schlimm fand ich aber die „Live“-CD von LAMB OF GOD, „Live In Richmond, VA“, und das Quarantäne-Langeweile-Projekt „SepulQuarta“ von SEPULTURA: Beide Werke bringen alles auf einen Nenner, was an Streamshows so deprimierend sein kann. Ein Soundtrack zum Verzweifeln – aber leider nicht im „besten Sinne“.

Bestes Entmetallisiert-Album des Jahres

Weils für mich nur am Rande mit Metal zu tun hat, wäre hier zuforderst WARDRUNA mit „Kvitravn“ und SÓLEY mit „Mother Melancholia“ zu nennen.

Mit vielen Musikern aus dem Metal, aber am Ende ganz ohne Metal-Elemente, hat CHRIS WICKED ein großartiges Album („Aleine“) geschaffen, das ich mir eigentlich immer anhören kann. Und auch das Country-Blues-Rock-Album von ME AND THAT MAN („New Man, New Songs, Same Shit, Vol. 2“) und ebenfalls einer Vielzahl an Mitstreitern aus der Metal-Welt ist eine gute Runde geworden.

Wenns ganz „entmetallisiert“ sein soll, wären hier das Soloalbum von DANGER DAN zu nennen, sowie „Paroli“ von KAFVKA.

Mein bestes Festival des Jahres

Das JOSEFSTADT (by Brutal Assault) und das MEH SUFF! OPEN AIR haben in diesem Jahr ein paar Tage „Normalität“ in mein Leben gebracht. Das allein sichert beiden hier die Nennung – aber es hat auch einfach alles gepasst: Perfekte Orga, großartiges Billing, packende Shows …

Indoor (und das nicht nur, weil es das einzige Indoor-Festival war, auf dem ich 2021 war) geht die Auszeichnung an das TRANSCENDING VISIONS FEST in Graz. Auch hier: Super organisiert, super Shows und vor allem: endlich wieder viel zu lang nicht gesehene Menschen treffen.

Mein bestes Konzert des Jahres

Hier muss ich tatsächlich erstmalig in drei Kategorien differenzieren … da ich 2021 erstmalig auch viele Streamshows gesehen habe.

Mein schlechtestes Konzert des Jahres

Im Jahr 2021 war jedes Konzert ein gutes Konzert. Schon der Umstände wegen.

Bestes Coverartwork des Jahres

Das Cover von ASPHYX‘ starkem „Necroceros“ vereint einfach alles, was ein gutes Metal-Cover haben muss. Wenngleich ich zugeben muss, dass das für „Helloween“ von HELLOWEEN ebenso gilt. Aber weil mir Death Metal musilkalisch näher ist (nur darum) steht hier eben dieses:

Schlechtestes Coverartwork des Jahres

Belanglose oder auch hässliche Cover gibt es Jahr für Jahr in großer Zahl – lange hat mich keines so ratlos gemacht wie der schlichtweg furchtbare Photoshop-Job, den sich MONO sich für „Pilgramage Of The Soul“ ausgesucht haben:

mono - pilgrimage of the soul

Mein Newcomer des Jahres

Newcomer gab es einige zu entecken – wobei „Newcomer“ sich dabei oft nur auf den Bandnamen bezieht: Im Black Metal haben die Necrophobic-Jungs als IN APHELION eine vielversprechende EP („Luciferian Age“) veröffentlicht, Stone-Sour-Gitarrist Josh Rand hat mit THE L.I.F.E. PROJEKT eine vielseitige Rock-Band an den Start gebracht, und unter dem Namen GO AHEAD AND DIE haben sich mal wieder ein paar Cavaleras zusammengefunden, um fetzigen Crust-Punk-Thrash-Death zu spielen.

Als „echte“ Newcomer seien aber noch TETRARCH erwähnt, die mit „Unstable“ kein innovatives, aber doch bemerkenswert authentisches ’90s-Nu-Metal-Album abgeliefert haben, sowie DANA DENTATA, die auf „Pantychrist“ mit einem stimmigen Mix aus Nu Metal, Industrial und Rap überzeugt.

Meine Entdeckung des Jahres

– musikalisch: Streamshows können eine richtig geile Sache sein – wenn sie mehr sind als bloß ein Konzert ohne Publikum. Wenn sie nur endlich eine Ergänzung, nicht ein Ersatz für ordinäre Konzerte wären.

– persönlich: Wenn man muss, ist Home Office gar nicht mehr nur geil.

Meine Enttäuschung des Jahres

– musikalisch: Ich hatte mir ja viel von der neuen GOJIRA erhofft, aber anders als gefühlt den Rest der Metal-Welt lässt mich „Fortitude“ ziemlich kalt.

– persönlich: „die Menschheit“. Bei aller Misanthropie hätte ich tatsächlich nicht für möglich gehalten, dass wir im Jahr 2021 ernsthaft nochmal mittelalterlich anmutende Diskussionen über wissenschaftliche Erkenntnisse führen müssen und manche Leute Fackeln Fakten vorziehen. Vom Versagen unserer Rasse im Großen (Klimawandelignoranz, Flüchtlingsdramaignoranz, Impfstoffverteiungsungerechtigkeiten etc.) mal ganz zu schweigen.

Überraschung des Jahres

– musikalisch: Überraschend (und dann auch noch überraschend gut) waren die „Comeback“-Alben von THYRFING („Vanagandr“) und ANCIENT WISDOM („A Celebration In Honor Of Death“). Außerdem hat mich überrascht, dass EXODUS es mit Steve „Zetro“ Souza  am Gesang nochmal schaffen würden, mich zu begeistern („Persona Non Grata“).

– persönlich: siehe Enttäuschung.

Mein Song des Jahres

wenn Antifaschismus schon mal vom Mainstream gefeiert wird, muss ich da ja mit: Danger Dan – Das ist alles von der Kunstfreiheit gedeckt.

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Großartige Songs, die Lust auf die entsprechenden, 2022 erscheinenden Alben machen, waren zudem „Komm schon klar“ (Slime) und „The Chapeltown Rag“ (Slipknot).

Mein bestes gelesenes Buch

„How Music Got Free“ von Stephen Witt hat mich als Mix aus (Wirtschafts-)Krimi und Geschichte der mp3-Datei wirklich begeistert. Die spannendsten Denkanstöße hat mir „Wer wir waren“ (Roger Willemsen) gegeben.

Der packendste Roman war definitiv Delia Owens „Der Gesang der Flusskrebse“; sehr unterhaltsame, leichte Lektüre fand ich aber auch die „Crazy Rich“-Trilogie von Kevin Kwan.

Mein bester gesehener Film

… war sicher einmal mehr „Lost in Translation“. Aktuelle Filme habe ich quasi nicht gesehen. Die meiste Vor-dem-Fernseher-Zeit geht aber eh für ran-NFL drauf. Jeden verdammten Sonntag!

Mein Wunsch / Hoffnung für das kommende Jahr

Ja mei. Was soll man hier schon anderes groß schreiben? Aber wenns mit der „Normalität“ schon vermutlich so schnell nix wird, dann doch bitte wenigstens Gesundheit und ein paar schöne Momente im Chaos.